getAbstract Neugierig bleiben

FOCUS: Best of 2019

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In diesem Jahr lernten wir bei getAbstract, wie man ganze Frösche schluckt, „Wachstum“ ganz unpolemisch erklärt und dabei auch noch Optimist bleibt. Hier sind unsere Lieblingszusammenfassungen!

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Viele von Ihnen ahnen es nur, es stimmt aber tatsächlich: Wir bei getAbstract werden u.a. fürs Lesen bezahlt. Was schön klingt, ist es auch – allerdings steht man am Ende eines seitenreichen Jahres mitunter vor dem Problem, festhalten zu können, was nun wirklich lesenswert war und was nicht. Um die Übersicht zurückzugewinnen, haben wir Ihnen eine Liste mit Empfehlungen verschiedener Abteilungen zusammengestellt, die nicht zuletzt die hektische Suche nach Last-Minute-Weihnachtsgeschenken erleichtert. Nein, Sie sollen kein Abstract unter den Baum legen! Am Heiligen Abend tut es ein gutes, hübsch verpacktes und mit guten Wünschen garniertes Buch auch weiterhin am besten.

Wir wünschen Ihnen ein Frohes Fest und einen Guten Rutsch ins neue Jahr!


Empfehlungen von Jacqueline Widmer
Customer Success Manager

Anne M. Schüller und Alex T. Steffen: Die Orbit-Organisation (Gabal)
Sind Sie auch gerade dabei, ihre Firma für die digitale Transformation zu rüsten? Und machen Sie auch denselben Fehler wie so viele andere, die das Thema zuerst nur von der technologischen Seite anzuschauen? Ganz nach dem Motto: «Schmidt, wir brauchen eine App!»? Vielleicht kommt’s ja noch rechtzeitig: Lesen Sie Die Orbit-Organisation! Und stellen Sie alles wieder um, vielleicht auf den Kopf – aber stets den Kunden ins Zentrum Ihrer Anstrengungen. Viele Start-Ups machen es längst vor: Wer dem Kunden keinen Sinn und Zweck der eigenen Arbeit aufzeigen kann, verliert. Erst den Kunden, dann alles andere. Wie das geht? Steht in diesem Buch, das ich all jenen empfehle, die sich dem digitalen Wandel stellen möchten. Ja, genau: Ganz ohne App!

Brian Tracy: Eat that frog (Gabal)
Sie kennen das: Zum Jahresende will man noch möglichst viel erledigen. Und da tauchen sie alle plötzlich wieder auf, die Dinge, die wir schon seit Wochen vor uns herschieben (u.a. die Weihnachtsgeschenke für die Liebsten?). Sie sind es auch, die uns am meisten daran hindern, den Kopf frei zu kriegen, also produktiv zu sein. Gibt es eine clevere Art, mit ihnen umzugehen?

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Ja, meint Brian Tracy: Manchmal muss man einfach «Jeden Morgen einen lebendigen Frosch verspeisen, dann kann einem nichts Schlimmeres mehr passieren.» Hab’s probiert, sogar mit Kröten. Stimmt. Ich empfehle dieses Buch allen, die sich besser organisieren möchten, um ihre Ziele schneller zu erreichen. Nicht nur vor Weihnachten.

Michael Groß: Digital Leader Gamebook (Haufe)
Im digitalen Zeitalter gewinnen paradoxerweise gerade «analoge» Fähigkeiten wie das Kommunizieren von Mensch zu Mensch an Bedeutung. Das gilt ganz besonders für die Teppichetage, denn hier werden schliesslich die wichtigsten Entscheidungen getroffen. Dieses Buch zeigt Ihnen, was man als (künftige) Führungskraft mitbringen, oder doch verdammt schnell nachholen muss, und welche Denkmuster Ihnen dabei helfen. Pflichtlektüre für alle, die nach den nötigen Fähigkeiten suchen, um Kollegen, Teams, ja ganze Firmen ideal auf die digitale Transformation vorzubereiten.


Empfehlungen von Andreas Neisser
Executive Editor und Leiter der deutschsprachigen Sachbuchredaktion

Yvonne Hofstetter: Der unsichtbare Krieg (Droemer)
Sachkundig und eloquent zeigt dieses Buch, welche Gefahren für die Demokratie von der Digitalisierung ausgehen. Hofstetter nimmt darin weniger die digital gestützte Überwachung und Gängelung der Konsumenten (manchmal auch «Bürger» genannt) in den Blick als vielmehr die immer raffiniertere Nutzung digitaler Technologie durch autoritäre Staaten. Sie konstatiert einen gefährlichen Rückstand Europas gegenüber den USA, Russland und China. Im Interview mit getAbstract erklärt sie, wie man gegensteuern könnte.

Mathias Binswanger: Der Wachstumszwang (Wiley)
Dieses Buch legt ökonomisch nüchtern und unaufgeregt dar, warum und wie unser Wirtschaftssystem einem Zwang zum Wachstum unterliegt, aus dem es auch durch noch so gut gemeinte Bestrebungen nach sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit kein Entkommen gibt.

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Wobei: Ein paar Möglichkeiten und Alternativen zeigt Binswanger schon auf. Fest steht: Wer intellektuell redlich über Wachstum (oder seine Grenzen) reden will, muss seit 2019 auch über Binswanger reden.

John Carreyrou: Bad Blood (DVA)
Gründlich recherchiert und spannend arbeitet John Carreyrou den Skandal um Elizabeth Holmes und ihr Fake-Start-up «Theranos» auf, inklusive einiger Seitenhiebe gegen den Silicon-Valley-Hype – der ja auch die Gesamtwirtschaft infiziert – und gegen die Auswüchse der Risikokapitalfinanzierung.

Empfehlungen von Michael Wiederstein
Executive Editor Kontextproduktion

Bina Venkataraman: Die Kraft des Vorausdenkens in unbesonnenen Zeiten (TED)
Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber mir geht die mediale Endzeitstimmung im Moment gehörig auf die Nerven. Was kann man dagegen tun? Bina Venkataraman ein paar Minuten zuhören: Die Professorin am MIT hat ziemlich viel Beweismaterial dafür zusammengetragen, dass die Menschheit, obschon sie natürlich auch 2019 wichtige Schritte bei der Bekämpfung von Gewalt, Armut und schweren Krankheiten gemacht hat, bisher weit unter ihren Möglichkeiten geblieben ist. Nur drei wenig komplizierte Dinge müssen sich ändern, damit sie ihr Potential besser ausschöpft und die Zunft cleverer gestaltet!

Den Talk und seine deutsche Zusammenfassung (sowie Venkataramans Buch, das soeben auf Englisch erschienen, aber noch nicht zusammengefasst ist) empfehle ich allen, die mit Sorge dem Jahr 2020 entgegensehen. Glauben Sie mir: danach sieht es schon etwas rosiger aus.

Clayton M. Christensen, Efosa Ojomo und Karen Dillon: Das Wohlstandsparadox (Plassen)
Frau Venkataraman hat Sie noch nicht recht überzeugt? Vielleicht ändert das prominente Ökonomen-Trio Clayton M. Christensen, Efosa Ojomo und Karen Dillon Ihre Sicht auf die Welt. Denn die drei argumentieren mit Zahlen, Daten und Analysen zum Wohlstand in der Welt – und wie er zustande kommt. Dabei zeigt sich Überraschendes: In den letzten 40 Jahren haben sich tatsächlich mehr als eine Milliarde Menschen aus der Armut befreit. Und zwar nicht dank „westlicher“ Entwicklungshilfe, sondern aus eigenem, unternehmerischem Antrieb. Dieses Wunder sollte mehr Nachahmer finden, weshalb wir die Rahmenbedingungen ändern müssen, finden Christensen, Ojomo und Dillon (die wir auch zum Thema interviewt haben). Gerade die reichen Regionen der Welt sind hier in der Pflicht: sie müssen ihr Verständnis von Armut überdenken und vom „Helfen“ aufs „Investieren“ umschwenken. Das Wohlstandsparadox ist die Art Data-Driven Weihnachtsgeschichte, die Mut macht.

Christopher J. Preston: Sind wir noch zu retten? (Springer)
Sollten Sie weder Frau Venkataramans Vortrag noch Clayton M. Christensen und Co. davon überzeugt haben, dass wir eine bessere Zukunft buchstäblich selbst in der Hand haben, sind Sie vielleicht ein hoffnungsloser Fall. Trotzdem lohnt sich ein Blick in das neue Buch des Umweltphilosophen Christopher J. Preston, das leider von Springer mit einem ziemlich unattraktiven Cover ausgestattet wurde. Dafür ist der Inhalt umso spannender: Egal ob in den Bereichen Nanotechnologie, Gentechnik oder Energieerzeugung – unser Fortschritt vollzieht sich rasant. Viele Probleme, vor denen die Menschheit in der Vergangenheit stand, konnten über neue Technologien gelöst werden, und was gestern noch unmöglich schien, wird heute schon gemacht. Die Frage ist also höchstwahrscheinlich nicht, ob wir gesundheitliche, klimatische oder soziale Probleme bewältigen können, sondern wie wir das tun wollen. Preston gibt eine interessante Übersicht zu den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts – und diskutiert auch gleich, welche Optionen wir haben, sie einzusetzen. Ein Augenöffner!


Nächste Schritte
Formulieren Sie Ihre diesjährige Mail-Abwesenheitsmeldung rechtzeitig! Und tun Sie das vielleicht einfach mal anders – also persönlicher, freundlicher, dankbarer. Kommt immer gut an. Und dann: Abschalten, Familienzeit geniessen, frohes Fest!

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