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Bis dass der Headhunter uns scheide: Mitarbeiterbindung in goldenen Arbeitnehmerzeiten

Noch vor 20 Jahren hätten wir uns das in unseren kühnsten Träumen nicht ausmalen können: eine Arbeitswelt, in der Mitarbeiter erst heftig umworben und dann regelrecht auf Händen getragen werden. Mit betriebsinternen Yogakursen, geselligen Weinproben-Events, Wohlfühl-Bürooasen und vielen weiteren Schmankerln versuchen Arbeitgeber, wertvolle Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Fachkräftemangel und die weiterhin gute Arbeitsmarktlage machen es möglich und nötig. Doch wirklich kluge Mitarbeiterbindung geht weit über eine solche Schmankerlstrategie hinaus.

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Die Autorinnen von Ein fundamentaler Wandel untersuchen in dem Artikel das „Employee Experience“ (EX)-Konzept. Auch das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen: EX rückt die Bedürfnisse, Erfahrungen und Erlebnisse der Mitarbeiter in den Mittelpunkt, ähnlich wie es Design Thinking mit den Kunden tut. Der Angestellte wandelt sich vom Untergebenen zum Partner auf Augenhöhe, und die Idee vom menschlichen Rohstoff hat ausgedient. Goodbye HR, hello EX!

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Dass die Gestaltung der Arbeitsräume viel mehr ist als ein bloßer Gimmick, zeigt die Berliner Agentur Dark Horse Innovation in ihrem inspirierenden New Workspace Playbook. „Wir sind in der Entwicklung unserer Arbeit weiter, als es unsere Arbeitsumgebungen sind“, schreiben die Autoren. Traditionelle Bürolandschaften werden der zunehmenden Verschmelzung von Arbeit und Freizeit nicht mehr gerecht. Vielmehr sind Kickertisch, Firmencafé und Fitnesszimmer heute in vielen Unternehmen Standard. Um die Vorteile der Vernetzung auszuschöpfen, braucht es aber vor allem offene Räume, in denen Menschen einander zufällig treffen und Ideen austauschen können. Entscheidend ist die Agilität: Arbeitslandschaften sollten sich an die ständig wechselnden Anforderungen der Mitarbeiter anpassen – und nicht umgekehrt.

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Doch Vorsicht: Moderne Großraumbüros sind oft besser fürs Image als für die Mitarbeitermotivation. Viele Menschen beklagen sich über Lärm, Unruhe und Konzentrationsprobleme im Open Office, schreibt Anja Dilk in dem Artikel Zwischen Hub und Home. Im schlimmsten Fall herrscht Grabesstille: Wenn alle mithören, sagt niemand mehr ein Wort. Abhilfe schaffen geschützte Rückzugsmöglichkeiten und abgegrenzte Räume für Teamarbeiter, Vieltelefonierer oder informelle Meetings. Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter vor allem mit auf die Reise, denn Rollcontainer machen nur dann flexibel und glücklich, wenn die neuen Büronomaden ihren alten Schreibtischen keine Träne nachweinen.

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Und genau hier liegt das Problem: „Menschen reagieren negativ, wenn sie aufgefordert werden, den bisherigen Radius ihres Denkens zu verlassen“, schreibt Svenja Hofert in Das agile Mindset. Flexible Geister gibt es auf leergefegten Arbeitsmärkten aber nicht geschenkt. Die HR – oder besser noch EX – muss Mitarbeitern dabei helfen, auf agiles Denken umzuschalten und so mehr Selbstverantwortung zu entwickeln. Jeder kann das schaffen. Aber es dauert, im Zweifel mehrere Jahre.

Noch ein Grund, die agilsten Mitarbeiter an Ihr Unternehmen zu binden: Egal ob mit Rollcontainer oder ohne.

Gundula Stoll

Gundula Stoll liest und schreibt seit Anfang 2000 für getAbstract – eine ganze Bücherwand lang.

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