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Augen auf und angreifen

Fragt man Unternehmensführer, welche Themen für sie derzeit Priorität haben, steht eines immer an oberster Stelle: die digitale Transformation. Alle reden darüber, aber keiner weiß, ob und wie genau künstliche Intelligenz (KI) und Industrie 4.0 unser Leben als Verbraucher, Arbeitnehmer oder Selbstständige verändern werden. Dabei hält ein Viertel aller Unternehmen in Deutschland die Digitalisierung für existenzbedrohend.

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Und zwar aus gutem Grund, meint Michael Groß, Autor von Digital Leader Gamebook und dreimaliger Schwimm-Olympiasieger. Führungskonzepte, die in einer berechenbaren, übersichtlichen Welt Gold wert waren, müssen seiner Ansicht nach schnellstmöglich in den Zwangsruhestand. Fragen Sie sich lieber, ob und, wenn ja, warum es Ihr Unternehmen in zehn Jahren noch geben wird – und was Sie ändern müssen, damit es nicht auf dem Abstellgleis landet. „Der entscheidende Aspekt der digitalen Transformation ist immer der gleiche: Sie als Führungskraft entscheiden, ob die digitale Transformation gelingt – oder nicht!“

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Der Journalist Christoph Keese, selbst in einer kriselnden Branche tätig, in der der Wandel viel zu lange verdrängt und verschlafen wurde, hat mit Disrupt Yourself einen dringenden Appell verfasst: Erfinden Sie sich neu, bevor jemand anders das für Sie übernimmt! Er schlägt vor, alternative Lebensnarrative zu formulieren. Schließlich steht nirgendwo geschrieben, dass immer Reporter bleiben muss, wer einmal Reporter war. Unternehmen sollten nach Disruptionspunkten Ausschau halten, an denen bisherige Geschäftsmodelle aus Sicht der Kunden am meisten zu wünschen übrig lassen – denn genau dort werden disruptive Angreifer zuerst zuschlagen.

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Manuela Lenzen ist sich in einem Punkt mit Keese einig: Beschwerden und Bedenkenträgerei machen uns mit Blick auf die Digitalisierung nur verwundbar. In Künstliche Intelligenz erteilt sie der vermeintlichen Machtergreifung durch intelligente Roboter eine klare Absage. Bisher hat noch kein System den berühmten Turing-Test bestanden, das heißt in einem fünfminütigen Gespräch erfolgreich einen Menschen vortäuschen können. Nach wie vor sind KI-Systeme uns zwar in der quantitativen Datenanalyse haushoch überlegen, scheitern aber an den simpelsten Alltagsaufgaben: „Zahnpasta auf die Zahnbürste zu geben, das ist für eine künstliche Intelligenz eine viel größere Herausforderung als auf Großmeisterniveau Schach zu spielen.“

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Wer (oder was) am Zähneputzen scheitert, der (oder das) dürfte noch Lichtjahre von der Entwicklung echter Führungsqualitäten entfernt sein. Und die sind vor allem beim Management virtueller Teams gefragt: In Industriestaaten arbeiten heute schon 81 Prozent der Beschäftigten mit Menschen zusammen, die sich nicht am selben Ort befinden, stellt Peter Ivanov gleich zu Anfang in Powerteams ohne Grenzen fest. Das ist eine Riesenchance, denn virtuelle Teams haben flache Hierarchien und zeichnen sich durch besondere Vielfalt aus. Ihr Potenzial entfalten können sie aber nur, wenn Führungskräfte sich weniger als Entscheider denn als Möglichmacher verstehen, das heißt Ziele definieren, Kompetenzen erkennen, Aufgaben verteilen und dann die Teammitglieder einfach mal machen lassen.

Fest steht: Mit der guten alten Eindeutigkeit und Berechenbarkeit ist es vorbei. Beides dürfen wir in Zukunft getrost der künstlichen Intelligenz überlassen.

Gundula Stoll

Gundula Stoll liest und schreibt seit Anfang 2000 für getAbstract – eine ganze Bücherwand lang.

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