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Vielfalt in der Arbeitswelt: allseits offen oder latent undicht?

„Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“ Dieser Spruch wird Kurt Tucholsky, einem der meistzitierten deutschsprachigen Autoren, wohl zu Unrecht untergeschoben. Dass das Zitat zur Zeit besonders gern bemüht wird, sagt allerdings einiges über unsere Zeit: Haben wir es zuletzt mit der Offenheit und Vielfalt möglicherweise übertrieben? Und wären ein paar Dichtungsarbeiten nicht angebracht?

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Karin Schreiner hält das für abwegig. Multikulturalität in der Arbeitswelt ist Fakt, schreibt sie in Kulturelle Vielfalt richtig managen, egal ob im mittelständischen Unternehmen oder im Weltkonzern, im Bildungs- oder im Gesundheitswesen. Wer der Vielfalt mit Angst und Vorurteilen begegnet, vergibt Chancen. Um allerdings wirklich von ihr zu profitieren, sollten Sie sich zunächst der eigenen kulturellen Werte und Erwartungen an andere bewusst werden und so Unterschiede erkennen und interkulturelle Kompetenz entwickeln. Generell aber gilt: Menschen, die anders sind, haben per Definition abweichende Stärken und Schwächen. Diese zu ignorieren, käme einem Eigentor und einer Steilvorlage für die Konkurrenz gleich.

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Das ist jedoch wie immer viel leichter gesagt als getan, betonen die Verfasser des Artikels Warum Diversityprogramme scheitern. Trotz jahrelanger Pflichtschulungen, vermeintlich objektiver Einstellungstests und schmerzlicher Sanktionen gibt es in den USA im Kampf gegen die Diskriminierung von Minderheiten kaum Erfolge zu vermelden. Der Grund ist simpel: „Wenn du versuchst, mich zu X oder Y zu zwingen, werde ich genau das Gegenteil tun, um dir zu beweisen, dass ich allein über mein Leben bestimme.“ Anstatt mit Strafen zu drohen, sollte ein positives Umdenken gefördert werden: etwa indem Manager auf College-Rekrutierungsprogrammen für Frauen und Minderheiten ihre eigenen Kandidaten auswählen und sich aktiv an Mentoringprogrammen beteiligen.

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Haben Angehörige von Minderheiten den Sprung in ein Unternehmen erst einmal geschafft, stehen sie meist vor neuen Hürden. Nur wie lassen sich diese aus dem Weg schaffen? Melina Epler gibt in ihrem TED-Talk Drei Wege, ein besserer Verbündeter am Arbeitsplatz zu werden Tipps: Vermeiden Sie Mikroaggressionen und verteidigen Sie weniger privilegierte Kollegen, wenn andere diese herabwürdigen. Stehen Sie schwächeren Kollegen verlässlich und langfristig zur Seite, indem Sie dafür sorgen, dass diese sich im Unternehmen entfalten können.

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Doch ist Diversität tatsächlich der entscheidende Erfolgsfaktor für Unternehmen? Heiko Weckmüller beantwortet diese Frage in dem Artikel Härtetest überraschend mit Nein. Ob ein Projekt Erfolg hat oder nicht, hängt kaum von kultureller oder anderweitiger Vielfalt im Team ab. Vielmehr empfiehlt er, Mitarbeiter unterschiedlicher Arbeitsbereiche zu kreativen Höchstleistungen zusammenzubringen.

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Wie das am besten funktioniert, beschreibt Amy C. Edmondson in Von Fremden lernen. Letztendlich gelten bei interdisziplinären Projekten ähnliche Regeln wie bei interkulturellen: Es geht darum, unterschiedliche Kulturen, Kompetenzen, Arbeits- und Denkweisen zusammenzubringen. Hilfreich sind dabei variable Zielvorgaben und ein aktiver Wissensaustausch.

Dichtmachen ist jedenfalls keine Alternative. Denn damit bliebe Ihnen auch so manche Aussicht auf einen Überraschungserfolg versperrt.

Gundula Stoll

Gundula Stoll liest und schreibt seit Anfang 2000 für getAbstract – eine ganze Bücherwand lang.

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