Erfolgreich handeln Neugierig bleiben

Zeit ist Geld, Wissen ist Gold

„An investment in knowledge pays the best interest.“ Dieser Satz stammt von Benjamin Franklin, geboren vor rund 200 Jahren als 15. Kind eines bescheidenen Seifen- und Kerzenmachers. Franklins Investitionen in Wissen machten sich für ihn und die amerikanische Gesellschaft noch zu Lebzeiten bezahlt: Der Druckereibesitzer und spätere Staatsmann gründete die erste Leihbibliothek Amerikas, erfand einen raucharmen Herd, die Bifokalbrille und vieles mehr. Mit seinem legendären Aufsatz The Way to Wealth aus dem Jahr 1758 wurde er 150 Jahre später zum vielfach kopierten Vorbild der Motivationsgurus. Seinen Lesern rät er darin, täglich um 5 Uhr früh aufzustehen, keine wertvolle Zeit zu vertrödeln, niemandem außer sich selbst zu trauen, sparsam zu sein, kein unnützes Zeug zu kaufen und niemals Schulden zu machen.

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Konsequent umgesetzt würden Franklins Ratschläge natürlich die globalisierte Wirtschaft kollabieren lassen. Doch der Kern seiner Wissensphilosophie ist hochaktuell, wie Franz Reinisch In Die Köpfe sind das Kapital betont. Der Unternehmer beschreibt, wie Sie verschiedene Formen von Wissenskapital unterscheiden, bilanzieren und gezielt erhöhen. Und er meint ganz im Sinne Franklins, dass jeder letztlich für sein eigenes Wissenskonto verantwortlich ist: „Nur wer mit seinem Wissen einen einzigartigen Beitrag zur Wertschöpfung beisteuern kann, entgeht der Austauschbarkeit. Das gilt für Unternehmen und Volkswirtschaften ebenso wie für jeden einzelnen Menschen.“ Aber wie lässt sich der Wert auf dem gemeinschaftlichen Wissenskonto noch einmal steigern?

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Ganz einfach: Indem Sie es großzügig mit anderen teilen. „Power does not come from stored knowledge but from shared knowledge.“ Diese Erkenntnis machte Bill Gates zu einem der einflussreichsten Philanthropen unserer Zeit. Die Bill & Melinda Gates Foundation etwa hat sich die weltweite Armutsbekämpfung zum Ziel gesetzt – ein Ziel, das nach dem Vorbild Chinas und Indiens nur durch rasche Investitionen in Humankapital erreicht werden kann, wie Gates in dem Video Let’s Create the Third Wave of Poverty Reduction ausführt. Dass es uns Menschen mehrheitlich besser geht als jemals zuvor, haben wir vor allem der beispiellosen Wissensexplosion in den vergangenen 250 Jahren zu verdanken, argumentiert Angus Deaton in Der große Ausbruch: „Die Tatsache, dass Indien heute eine höhere Lebenserwartung als Schottland im Jahr 1945 hat – trotz eines Pro-Kopf-Einkommens, das Großbritannien bereits 1860 erreichte –, zeugt von der Macht des Wissens, historische Entwicklungen abzukürzen.“

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Allerdings löst sich diese Macht nach Ansicht des Managementpioniers Peter Drucker in nichts auf, wenn einmal erworbenes Wissen nicht ständig auf den Prüfstand gestellt wird: „Knowledge must be improved, challenged and constantly increased, or it vanishes.“ In dem neu aufgelegten (Selbst-)Management-Klassiker The Effective Executive aus dem Jahr 1967 beschäftigt sich Drucker mit der Frage effektiver Wissensarbeit. Denn: „Intelligenz, Vorstellungskraft und Wissen sind unabdingliche Ressourcen, aber nur durch Effektivität werden Ergebnisse daraus.“ Effizienz bedeutet, die Dinge richtig zu tun; Effektivität hingegen, die richtigen Dinge zu tun. Damit das gelingt, müssen Sie Prioritäten setzen, sich auf die Stärken Ihrer Mitarbeiter konzentrieren, vor allem aber Zeitdiebe sowie unproduktive Tätigkeiten identifizieren und ausschalten.

Dieses Wissen teilte er zweifellos mit dem umtriebigen Benjamin Franklin, der Aphorismen und Sprichwörter am Fließband produzierte, ohne es erfunden zu haben: „Ist die Zeit das Kostbarste unter allem, so ist Zeitverschwendung die allergrößte Verschwendung.“

Gundula Stoll

Gundula Stoll liest und schreibt seit Anfang 2000 für getAbstract – eine ganze Bücherwand lang.

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