getAbstract Neugierig bleiben Top Story

Weltbuchtag 2019: Warum wir lesen? Darum!

Es heißt, „dass er eine riesige Bibliothek besitze“, mokierte sich der Moderator von Fox & Friends, Brian Kilmeade, jüngst über einen demokratischen Präsidentschaftskandidaten. „Als ob es ein großes Plus wäre, dass er Bücher liest.“ Dieser Satz, geäußert vom Frontmann der beliebtesten amerikanischen Frühstückssendung, stimmt nachdenklich – vor allem am heutigen Welttag des Buches, dem UNESCO-Aktionstag für das geschriebene Wort.

LESEN AUF GETABSTRACT

Denn Bücher helfen uns, die Welt zu verstehen und bessere Entscheidungen zu treffen. Auch das ist die Botschaft dieses Tages. Ein Feld, auf dem es nicht genügend fundierte Informationen für politische Maßnahmen geben kann, ist Die weltweite Ungleichheit: Über 100 Wissenschaftler, darunter Thomas Piketty, Autor des Weltbestsellers Das Kapital im 21. Jahrhundert, haben versucht, ökonomische Ungleichheit in ihrem Bericht mit belastbaren Daten zu untermauern. Das Ergebnis ist zwar in der Langform etwas zäh, in der Zusammenfassung aber erhellend. Denn eines ist klar: Es handelt sich um eine der größten Herausforderungen unserer Zeit – und eine, die jede Menge sozialen Sprengstoff bietet. Also: Lesen!

LESEN AUF GETABSTRACT

Eine weitere hochkontroverse Debatte unserer Zeit ist die über die Folgen der Migration aus islamisch geprägten Ländern für Europa. Der Neo-Konservative Douglas Murray hat dazu mit Der Selbstmord Europas ein Buch geschrieben, an dem sich die Geister scheiden. Einerseits ergeht er sich in Verschwörungstheorien und schürt apokalyptische Ängste vor Migrationswellen „biblischen Ausmaßes“. Andererseits nennt er Dinge beim Namen, von denen sich andere aus Angst vor Verbrennungsgefahr fernhalten, die aber viele Menschen in Europa seit Jahren mit Sorge betrachten: islamistischer Terror, zunehmende Gewalt gegen Frauen, Homosexuelle und Juden, Rede- und Denkverbote für politisch Andersdenkende. Wer sich eine eigene Meinung dazu bilden möchte, der sollte: Lesen!

LESEN AUF GETABSTRACT

Und auch der Blick in die Vergangenheit lohnt sich. 1904 heuerte der amerikanische Autor Upton Sinclair als Arbeiter getarnt in den berüchtigten Fleischhöfen Chicagos an und berichtete in dem Enthüllungsroman Der Dschungel über verelendete Massen, die im wahrsten Sinne durch den kapitalistischen Fleischwolf gedreht werden: Ein falscher Schritt, eine unachtsame Bewegung, und schon endet man als Dosenfleisch auf den Tellern des Nachbarn. US-Präsident Theodore Roosevelt wollte dem sozialistischen „Muckraker“ (Mistkratzer) höchstens ein Viertel seiner Horrorgeschichten glauben. Doch als eine Untersuchungskommission die katastrophalen Hygiene- und Arbeitsverhältnisse in den Schlachthöfen mehr oder weniger bestätigte, legte er den Grundstein für die heutige FDA, die amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittelsicherheit. Übrigens verbrachte Roosevelt fast seine gesamte Freizeit mit: Lesen!

Bücher erklären nicht nur die Welt, sie helfen auch, diese zu verändern. Ob es ein großes Plus ist, sie zu lesen? Unbedingt!

%d Bloggern gefällt das: