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Schöne Bescherung: Positivstress und Achtsamkeit

Spekulatius im September, Oblatenlebkuchen im Oktober und Nussknacker im November – niemand darf jetzt noch ernsthaft behaupten, nicht vorgewarnt gewesen zu sein. Doch dann geht es trotz der vielen Vorzeichen in den Supermarktregalen plötzlich ganz schnell und Weihnachten steht vor der Tür! Manche genießen diese Zeit aus vollem Herzen. Unsere zehnjährige Tochter zum Beispiel: Sie hat schon Anfang November die verbleibenden Tage bis Weihnachten und Neujahr auf das Familien-Whiteboard gekritzelt und kreuzt täglich voller Vorfreude eine weitere Zahl durch. Jede freie Minute bastelt sie an Geschenken. Gestern verkündete sie, dass sie schon fast alles fertig habe. Ich selbst beneide sie um ihren lustvollen und gelassenen Umgang mit der Vorweihnachtszeit. Egal wie oft ich Besserung schwöre – die letzten Wochen arten für mich dann doch häufig in Stress aus.

„Na und?“, fragt Urs Willmann in Stress und erklärt, warum die zwangsläufige Begleiterscheinung der Moderne zu Unrecht einen so schlechten Ruf genießt. Oft genug setzen wir uns dem Stress bewusst aus: Etwa, wenn wir einen Thriller anschauen oder Grenzerfahrungen im Sport suchen. Oder denken Sie an Ihre erste Liebe, den Hauskauf oder eine gelungene berufliche Herausforderung – alles stressige Situationen, die Ihnen hoffentlich am Ende ein Glücksgefühl bescherten. Willmann empfiehlt Leidenschaft statt Entschleunigung. Denn: „Wer nichts tut oder nichts tun kann, leidet am häufigsten unter Stress.“ Entscheidend ist, dass kurzzeitiger Stress nicht in Dauerstress ausartet.

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Positivstress und Achtsamkeit schließen einander übrigens nicht zwangsläufig aus. Vielmehr ist die bewusste Wahrnehmung im Hier und Jetzt eine hilfreiche Ergänzung zur Stressumdeutung: „Achtsamkeit übt und bewirkt Gelassenheit“, schreibt Ralf Braun in Mindful@work. Indem Sie sich auf den Moment und Ihren Atem konzentrieren, Multitasking vermeiden und regelmäßig Pausen machen, kämpfen Sie gegen den Eindruck, fremdbestimmt zu handeln – ein Zustand, der bekanntermaßen negativen Dauerstress zur Folge hat.

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Dass diese wenig erforschte Methode zum Umgang mit Stress nicht für jeden geeignet ist, darauf weist Dawn Foster im Guardian-Artikel Macht Achtsamkeit uns krank? hin. Vor allem bei Menschen, die bereits unter seelischen Störungen leiden, kann die konzentrierte Selbstbeobachtung durch Meditation mehr schaden als nutzen.

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Warum aber bereitet uns der bloße Gedanke an die Zeit und daran, wie wir sie am sinnvollsten ausfüllen, überhaupt so viel Stress? Dieser Grundsatzfrage geht Thomas Vašek in Zeit leben nach. Eigentlich ist es ein Paradox: Durch technische Hilfsmittel „sparen“ wir immer mehr Zeit ein – und fühlen uns gehetzter denn je. Laut Vašek müssen wir zunächst die Vorstellung begraben, Zeit sei eine objektive, lineare und planbare Ressource: „Jeder Mensch empfindet die Zeit anders. Wir alle haben unsere Eigenzeit.“ Es gilt, Puffer für Unvorhergesehenes und Abwehrstrategien gegen Zeitdiebe in sein Leben einzubauen. Und wir sollten uns klarmachen, wie und mit wem wir unsere Zeit am liebsten verbringen.

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Klingt gut. Ein Blick auf die Kreuze am Whiteboard sagt mir aber: 26 Mal werden wir noch wach – heißa dann ist Weihnachtstag! Eine halbe Ewigkeit für unsere Tochter. Und höchste Zeit für mich, endlich mit einigen Vorbereitungen zu beginnen …

Gundula Stoll

Gundula Stoll liest und schreibt seit Anfang 2000 für getAbstract – eine ganze Bücherwand lang.

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