Neugierig bleiben

Was Wissen mit uns macht

„Wissen ist Macht.“ Das soll der englische Philosoph Francis Bacon gesagt haben. Und: „Nichts wissen macht auch nichts.“ So verballhornten manche Spontis die berühmte Sentenz in den 1970ern, da sie ihnen allzu elitär und autoritär erschien. Letzteres ist natürlich Unsinn. Im Englischen bedeutet das Wort „power“ viel mehr als „Macht“ (über andere) – nämlich Kraft und Energie. Und beides ist nun mal die Voraussetzung für Veränderung und Fortschritt. Egal welcher Art. Genau deshalb ist lebenslanges Lernen so wichtig.

Aus der Geschichte lernen

In Die zweite Renaissance brechen die Oxford-Gelehrten Ian Goldin und Chris Kutarna eine Lanze für den aufmerksamen Blick zurück: „Wer die Zukunft voraussehen will, muss sich mit der Vergangenheit beschäftigen, denn menschliche Ereignisse ähneln stets denen vergangener Zeiten.“ Die Autoren sehen in der zunehmenden globalen Vernetzung, dem grenzüberschreitenden Handel und dem atemberaubenden technischen und naturwissenschaftlichen Fortschritt Parallelen zur ersten Renaissance vor rund 500 Jahren. Damals wie heute gebe es aber auch Risiken: So berge die Vernetzung der Finanz- und Handelsströme etwa die Gefahr, dass einzelne Störungen das ganze System kollabieren lassen.

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Von der Natur lernen

Wussten Sie, dass Bäume miteinander reden, im Kampf gegen Schädlinge aktiv zusammenarbeiten und ihre Sprache verlieren können? Peter Wohllebens nimmt Sie in seinem internationalen Bestseller Das geheime Leben der Bäume mit auf einen ebenso bezaubernden wie beängstigenden Spaziergang. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass wir nur sehr wenig über den Superorganismus Wald wissen. Und dass die entscheidende Überlebensstrategie, die der Autor den Bäumen zuschreibt, auch für uns Menschen gilt: „Wer zu gierig ist und zu viel nimmt, ohne zu geben, der beraubt sich seiner eigenen Lebensgrundlage und stirbt aus.“

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Aus Fehlern lernen

Weltweit sterben mehr Menschen durch vermeidbare ärztliche Behandlungsfehler als durch Verkehrsunfälle. Und allzu häufig liegt diesen Fehlern die systematische Leugnung vorheriger Fehler zugrunde. Die Beispiele, die Matthew Syed in Das Black Box Prinzip aufzählt, sind verstörend und ermutigend zugleich: Sie zeigen, wie ein besserer Umgang mit Irrtümern Leben retten und zu existenziellen Fortschritten führen kann: „Manchmal sind Fehler nicht nur der schnellste Weg zu einer korrekten Antwort, sondern der einzige Weg.“

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Von Orchestern lernen

Für die Kunst der Unternehmenserführung scheint kein Vergleich zu schade: von den Strategien Alexander des Großen über das Odysseusprinzip bis hin zum Trojanischen Marketing. Ganz neue Töne schlägt der Profimusiker und Dirigent Christian Gansch in seinem Managementratgeber Vom Solo zur Sinfonie an, indem er die gängigen Kriegs- und Eroberungsmetaphern bewusst ausspart. Vielmehr braucht es nach seiner Erfahrung im Orchesteralltag ebenso wie im Unternehmen Teamarbeit, Authentizität und Inspiration, um aus bunter Vielfalt eine harmonische Einheit zu erzeugen: „Im Orchester entsteht ein homogenes Klangbild nicht zuletzt aufgrund der ausgeprägten individuellen Unterschiede.“

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Wenn wir wissen, dass Geschichte sich reimt und Bäume kommunizieren, und lernen, wie wir Fehler als Chance begreifen und Unternehmen zum Klingen bringen – dann macht dieses Wissen durchaus etwas mit uns: Es vermittelt die Kraft, Zukunft zu gestalten.

Gundula Stoll

Gundula Stoll liest und schreibt seit Anfang 2000 für getAbstract – eine ganze Bücherwand lang.

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