getAbstract Neugierig bleiben Produktiv sein

Durch Innovation neues Feuer entfachen

Seit 15 Jahren lebe ich mit meiner Familie in einem winzigen Dorf in Mittelitalien. Am vergangenen Wochenende haben wir zum letzten Mal Brot und Pizza in der örtlichen Holzofenbäckerei gekauft, dem bis dahin einzigen noch aktiven Familienunternehmen im Dorf. Denn der Besitzer hat den gut gehenden Betrieb aufgegeben. Der Grund: Geld- und Erbstreitigkeiten in der Familie und ein erwachsener Sohn, der dem Knochenjob als Bäcker nichts abgewinnen kann. Lieber ist er arbeitslos und wartet darauf, vielleicht einen der heiß begehrten, aber immer seltener werdenden Jobs im Staatsdienst zu ergattern.

Eine Momentaufnahme, natürlich. Aber eine, die viel aussagt über die wirtschaftliche Misere im Land: Es fehlt vielerorts an Mut, Neues zu wagen. Dabei gäbe es Chancen: Der Markt für Feinschmeckerprodukte in und aus Umbrien wächst beispielsweise seit Jahren. Zusammen mit dem Tourismus ist der Sektor einer der wenigen Hoffnungsschimmer in der Region. Wer weiß, wie viele ungehobene Schätze in der kleinen Holzofenbäckerei in idyllischer Lage schlummern? Fürs Erste ist das Feuer dort jedenfalls erloschen, und ein ganzes Dorf trauert.

Innovation von innen

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Das Beispiel zeigt im Kleinstmaßstab, was auch größere Unternehmen umtreibt: Wie können diese im Wettbewerb überleben, wenn das Durchschnittsalter der 500 weltweit größten Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten von 60 auf 18 Jahre gesunken ist? In Revolution dank Innovation gibt Thorsten Reiter die Antwort: „Die Welt gehört denen, die sie nach ihren Regeln verändern – und zwar immer und immer wieder.“ Er beschreibt, wie man gezielt disruptive Prozesse fördern und für unternehmerisches Denken innerhalb der Organisation sorgen kann.

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Spielerische Erneuerung

Konkrete Techniken und Werkzeuge hierfür bietet das Digital Innovation Playbook: Das Autorenkollektiv einer Berliner Innovationsberatung stellt darin ihr Konzept eines Innovations-Boards vor. Es funktioniert wie ein Gesellschaftsspiel: Teammitglieder werden in Spielertypen – Entdecker, Gestalter, Evaluierer – eingeteilt, die in drei Spielmodulen systematisch Innovationen entwickeln.

Ein Weg, diesen Prozess zu beschleunigen, besteht darin, ihn mithilfe von Open Innovation zu öffnen, indem man externe Spieler mit ins Boot holt, egal ob Start-ups, Experten, Lieferanten oder Kunden. Ein wichtiges Instrument hierbei sind Innovationswettbewerbe, die bei der Suche nach Innovationspartnern helfen.

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Menschliche Innovationsquellen anzapfen

Wie schnell die frenetische Suche nach Neuem ins Leere laufen kann, zeigen die jüngsten Entwicklungen im Silicon Valley. Ende Mai fragte sich der Guardian-Kolumnist John Harris anlässlich des hochgehypten Google-Telefonassistenten zu Recht: „Now, when was the last time you came to book a haircut or restaurant table and concluded that the task was so onerous that you would ideally delegate it to a machine?“ Die letzte wirklich bahnbrechende Innovation aus dem Silicon Valley, so Harris, war das iPhone – und das ist 11 Jahre her. Seitdem belästigt uns Big Tech mit immer neuen Pseudo-Sensationen, die bestenfalls nutzlos und schlimmstenfalls eine Gefahr für unser Zusammenleben sind.

Vielleicht sollten sich die Entwickler in den Innovationsschmieden auf den Kern ihrer Aufgabe besinnen: etwas zu schaffen, das ihren Kunden einen echten Mehrwert bietet – vergleichbar mit einer innovativen Holzofenspezialität aus den grünen Hügeln Umbriens.

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