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Die Kunst der lernenden Organisation

Wozu lernen? Für die meisten Menschen klingt das nach einer rhetorischen Frage. Stellt man die Frage anders, lohnt sich schon eher das Nachdenken: Wozu und vor allem wie soll man im Unternehmen lernen?

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Offensichtlich ist die Antwort darauf nicht ganz so eindeutig. Vielleicht deswegen findet in vielen englischsprachigen Unternehmen in der Woche vom 14. bis 20. Mai zum wiederholten Mal eine „Learning at Work Week“ statt. Initiator ist die britische Organisation „Campaign for Learning“, die das lobenswerte Ziel verfolgt, soziale Teilhabe durch Bildung zu schaffen. Wenn sich eine solche Organisation damit beschäftigt, muss hier wohl noch einiges im Argen liegen.

Wer von Lernen im Unternehmen spricht, meint meist eine Form der „lernenden Organisation“. Das Konzept ist zwar schon älter, erlangte aber erst Anfang der 1990er-Jahre seinen vollen Durchbruch und zählt sicherlich zu den wichtigsten Strategiekonzepten der letzten 30 Jahre.

Die Bibel der lernenden Organisation ist Die fünfte Disziplin des MIT-Professors Peter M. Senge, veröffentlicht zu Beginn einer Ära mit – wie man sie heute bezeichnen würde – disruptiven Veränderungen. Darunter: die Globalisierung und die beginnende New Economy. Eine von Senges Kernthesen: Es reicht nicht mehr aus, dass irgendwelche Bosse allen anderen sagen, wie der Hase läuft. Angesichts der Globalisierung ist es notwendig, dass alle immer weiterlernen und das Unternehmen um schwierige Klippen steuern. Das ganze System Unternehmen lernt. Nicht umsonst wurde das systemische Denken – Senge war verliebt in die Systemtheorie – dann zur titelgebenden fünften Disziplin.

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Doch was ist aus Senges Ideen geworden – eine Sozialutopie? So praktisch er sie vermittelte, so selten wurden sie umgesetzt. Das beweist beispielsweise die 2010 im Harvard Business Manager veröffentlichte Studie Wie Lernen im Unternehmen funktioniert. Oft, so hat man den Eindruck, wurden neue Technologien nur genutzt, um alten Wein in neue Schläuche zu füllen. Ajay Pangarkar legt in seinem Artikel eLearning is dead! Long live Lean Learning den Finger in die Wunde: Bildungsanbieter würden ihre alten Inhalte nur in ein zeitgemäßes technisches Gewand kleiden. Und was schlägt er vor? Zum Beispiel Mikrolerneinheiten, die sich en passant in das tägliche Leben eingliedern und sozusagen „snackable learning“ ermöglichen, ganz nebenbei.

Das Thema der 2018er Learning at Work Week ist interessant: Es heißt „Networked for Learning“. Das passt hervorragend zum Konzept der Agilität, das seit einigen Jahren nicht nur die Softwarebranche umkrempelt.

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In Agiles Lernen beschreiben die Autoren, wie sich die Prinzipien der Agilität auf das Lernen im Unternehmen übertragen lassen: Die Lernenden müssen befähigt werden, selbst die richtigen Lerninhalte zu wählen und schnell, situativ und eigenverantwortlich ihre Fortbildung voranzutreiben. Das bedeutet natürlich einen weiteren Schritt zum viel beschworenen Empowerment. Soll heißen: Mehr Macht für die Mitarbeiter, weniger für die Personalabteilungen. Gemeinsam angeschaute TED-Talks oder die in amerikanischen Unternehmen beliebten „Brown-Bag-Meetings“ (ein Mitarbeiter gibt Einblicke in seinen Arbeitsbereich, die anderen bringen ihr Mittagessen – meist in braunen Papiertüten – mit und lernen von ihm) sorgen für den Wissenstransfer. Denn ohne echten sozialen Austausch geht es nicht.

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Christian Mascheck

Christian Mascheck schreibt seit 2000 für getAbstract und hat annähernd 300 Wirtschafts- und 200 Klassiker-Abstracts verfasst. Er arbeitet als freier Journalist, PR-Berater und Content-Marketing-Spezialist in Hamburg.

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