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(1) Warum #workhacks?

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Buchautorin Lydia Schültken hat den Eindruck, dass in Deutschland als ingenieursgetriebener Wirtschaftsmacht am liebsten an Prozessen, Technik, Exceltabellen und Regeln gearbeitet wird. Das hat das Land auch sehr erfolgreich gemacht. Alles wurde optimiert. Da könnte man jetzt allenfalls noch an dem ein oder anderen Prozentpünktchen herumdoktern – aber was das Land für die Zukunftssicherung tatsächlich braucht, sind vor allem engagierte Teams, die Ideen und Lösungen entwickeln. #workhacks ist ein systematischer Ansatz für eine positive Teamdynamik und verstärkte Reflexionsfähigkeit – ohne groß angelegtes Change Programm.

getAbstract: Lydia, Du bist die Autorin von #workhacks. Wie bist du eigentlich auf den Titel gekommen?

Auf den Namen kam ich im Winter 2015. Ich hatte Monate zuvor immer wieder Lifehacks in Form von Video-Beiträgen der Süddeutschen Zeitung gesehen. Diese nur einminütigen Videos fand ich sofort gut, weil sie altbewährte Tricks für den Haushalt leicht zugänglich machten. Dann muss es wohl im Hinterkopf gearbeitet haben, denn eines Nachts wachte ich auf und dachte: “workhacks”. Nach kurzer, aufgeregter Recherche war klar: Die Internetadresse www.workhacks.de war noch frei. Das war mein Zeichen.

getAbstract: Was bedeutet dieses Wort nun für dich?

Diesem Wort sind viele Jahre und Erfahrungen als Organisationsentwicklerin voraus gegangen. Damals, in der Nacht der Idee, fühlte es sich so an, als würden alle meine Erkenntnisse in dieses Wort münden.

Ich war jahrelang mit einem gefühlten Bauchladen unterwegs gewesen, mit der Überzeugung, dass ein Werkzeug nur für eine Situation gut sein kann – und dementsprechend auch nur für einen Kunden. Durch die Arbeit in Startups und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Forschungsrichtungen wie Motivationsforschung oder positiver Psychologie wurde mir aber nach und nach klar, dass es Meta-Werkzeuge gibt. Also Werkzeuge, die unabhängig sind von einem Team-Problem oder sogar einer Unternehmensstrategie. Ich begann, immer wieder mit den gleichen Werkzeugen zu arbeiten, unabhängig von strategischen Überlegungen. Die Arbeit effektiver zu machen, kann ja nicht gegen ein strategisches Ziel sein.

getAbstract: Aber muss ein Berater nicht die strategische Ausrichtung eines Unternehmens kennen? Du kannst doch nicht einfach so drauflosarbeiten.

Doch, genau das tue ich. Ich habe auch sehr lange geglaubt, dass ich als Beraterin meinen Kunden kennen muss, um einschätzen zu können, was das Richtige ist. Aber je länger ich drüber nachdenke, umso überheblicher kommt mir der Gedanke vor. Die Menschen in einem Unternehmen kennen das Unternehmen ungleich besser! Zudem finde ich es sogar unredlich, mich für die Anschaffung von Wissen bezahlen zu lassen, das im Unternehmen bereits vorhanden ist. Meiner Meinung nach ist es ein großer Trend, dass man in allen möglichen Rollen immer wissender wird: als Patientin, als Konsumentin und eben auch als Kunde von Beratung. Ich nehme selbst in verschiedenen Rollen in Anspruch, sehr informiert zu sein. Da kann ich meinen Kunden nicht erzählen, dass nur ich in der Lage bin, die richtigen Schlussfolgerungen aus der von mir erstellten Analyse zu ziehen. Ich habe mich gefragt, wie ich dem Kunden die Problemkompetenz lasse und gleichzeitig einen deutlichen Mehrwert für das Unternehmen erziele.

getAbstract: Und wie stellst du das an?

Ganz einfach: Ich bringe erprobte Regeländerungen und Methoden ins Unternehmen. Die meisten Menschen, auch Führungskräfte, kennen nur sehr wenige Methoden, um die Arbeitsorganisation und die Zusammenarbeit gezielt zu verbessern. Daher ist mein Beitrag, diese Methoden zu finden – oder zu erfinden – und dann so minimalinvasiv wie möglich zu gestalten. Im zweiten Schritt nutze ich das interne Wissen der Mitarbeiter in der Form, dass die Betroffenen selbst den passenden #workhack auswählen. Damit ist meine Analyse hinfällig.

getAbstract: Du empfiehlst deinen Kunden keine #workhacks aufgrund einer bestimmten Problemlage?

Nein, das ist aus meiner Sicht nicht nötig. Ich erkläre die #workhacks, und die Leute können selbst einschätzen, was ihnen am meisten bringt. Das funktioniert super. Es kann schon vorkommen, dass ein Team darüber stöhnt, überhaupt keine Zeit für solche zusätzlichen Themen zu haben. Dann empfehle ich diesem Team, vorerst auf solche #workhacks zu setzen, die mehr Zeit bringen. Ich muss nicht schlauer sein als mein Kunde. Ich mache ihm Angebote, die er annehmen oder ablehnen kann.

getAbstract: Welche Überlegungen sind noch in die Entwicklung von #workhacks eingeflossen?

Das Thema Widerstand im Umgang mit Veränderungen treibt mich seit Jahren um. Mir scheint, dass wir akzeptiert haben, dass Veränderungen eben Widerstände auslösen und wir damit umzugehen haben. Das hat mir noch nie so richtig eingeleuchtet. Als ich mich fragte, wann ich Veränderung akzeptiere und ggf. auch selbst initiiere, habe ich mir geantwortet: Wenn ich selbst entscheiden kann! Dieses Prinzip habe ich auf #workhacks angewendet und frage Teams immer, nachdem ich #workhacks vorgestellt habe, ob sie mit mir arbeiten wollen. Das geschieht schriftlich und geheim, denn ohne das ehrliche Votum der Gruppe starte ich keine Intervention. Bei mehr als 20% Nein-Stimmen gehe ich wieder – unverrichteter Dinge.

getAbstract: Das klingt ein bisschen so, als würde sich die Demokratisierung des Wissens, das wir durch das Internet erfahren, auch auf die Beraterbranche auswirken.

Ja. Fast alle Unternehmen, die einen Kulturwandel vollziehen wollen, sehen in den Führungskräften den Hebel zur Veränderung. Sie glauben, sie müssten nur die Führungskräfte in den verschiedenen Ebenen schulen, verändern oder begeistern, und schon multipliziere sich das in die Mitarbeiterschaft. Ich glaube das nicht mehr. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen suchen sich aus, welchem Verhalten sie sich anpassen – das ist mitnichten immer das Verhalten des Chefs. Da spielen viele weitere soziale Faktoren eine Rolle. Meine Theorie ist, dass sich die Zusammenarbeit wirkungsvoller verändert, wenn alle Beteiligten mitmachen.

getAbstract: Ihr habt #workhacks in etlichen Teams eingeführt. Über die konkreten Erfahrungen sprechen wir in unserem Webinar am 24. April um 15Uhr! Registrieren können sich unsere Leser kostenlos über den folgenden Link:

https://attendee.gotowebinar.com/register/6097181642772227

Im Blog geht’s morgen ums Thema Üben – also dranbleiben!

Über Lydia Schültken

Lydia Schültken hat die Workhack-Methode entwickelt. Sie berät gemeinsam mit ihrem Team einzelne Teams oder ganze Organisationen darin, wie diese mit kleinen, minimalinvasiven Eingriffen große Veränderungen herbeiführen können.

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