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Aktives Lernen – ein Geniestreich?

Zugegeben, es ist eine steile These: Niemand werde als Genie geboren, behauptet der Physiknobelpreisträger Carl Wieman, nicht einmal Wolfgang Amadeus Mozart. Genial sei vor allem dessen Vater Leopold gewesen, aber nicht als Musiker, sondern als Pädagoge: Kaum war das Wolferl den Windeln entwachsen, da komponierte der Kleine schon, während der Vater ihm konsequent auf die Finger schaute und auch den kleinsten Fehler korrigierte. Genauso funktioniert die Methode des „aktiven Lernens“: Pädagogen und Mentoren lassen Lernende anfangs einfach mal machen; dann verbessern sie, lassen weitermachen und verbessern wieder. Ein krasser Gegensatz zu noch immer verbreiteten Methoden wie der des passiven Zuhörens und Auswendiglernens. „Die Vorlesung ist eine Tradition aus dem Mittelalter – damals galten auch Zaubersprüche als Allheilmittel“, so Wieman.

Ist „aktives Lernen“ also die Zauberformel des digitalen Zeitalters? Sicher, die Methode macht Hoffnung auf verborgene Talente, die nur darauf warten, geweckt zu werden – egal ob beim schulmüden Nachwuchs im Motivations- oder bei wechselwilligen Mittvierzigern im Karriereloch. Aber kann sie wirklich Mathemuffeln zu besseren Leistungen und abgehalfterten Bürohengsten zum beruflichen Neustart verhelfen?

Übung macht den Meister. Wirklich.

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Dass Talent und genetische Disposition maßlos überschätzt werden und jeder Mensch mit der richtigen Methode (fast) alles lernen kann, davon sind auch die Autoren von Top überzeugt: Es ist die Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns, die uns zu potenziellen Alleskönnern macht. Die Verfasser haben Spitzenleistungen in verschiedenen Disziplinen untersucht und kamen zu dem Ergebnis: Es ist das bewusste Lernen, das die Tänzerin zur Primaballerina und den Klavierspieler zum Konzertvirtuosen macht. Allerdings reicht es nicht, einmal Gelerntes nur zu wiederholen. Man muss sich immer neue, höhere Ziele setzen und seine Komfortzone verlassen, um Leistungsgrenzen auszureizen und zu übertreffen.

Wie entscheidend häufiges Training dabei ist, belegt eine Studie zu Spitzenleistungen im Schachsport: Kinder mit einem höheren IQ konnten zwar anfangs die schnelleren Erfolge erzielen. Solche mit einem niedrigeren IQ übten jedoch intensiver und waren letztlich den vermeintlichen Naturtalenten überlegen.

Eine Frage der Selbsteinschätzung und Lerntechnik

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Blindes Vertrauen in angeborene (Un)fähigkeiten führt bestenfalls zu Bequemlichkeit und schlimmstenfalls zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Viele meinen etwa, „mit Zahlen nun mal auf Kriegsfuß zu stehen.“ Oft ist das Unsinn und eine Folge von Attributen, die andere uns seit frühester Kindheit zugeschrieben haben, argumentieren die Autoren von Erfolgreich Lernen. Sie schlagen vor, herauszufinden, welcher Lerntyp Sie sind, und dann gezielt die Methoden anzuwenden, die für Sie funktionieren.

„Der Mensch wird als Genie geboren und stirbt als Idiot.“

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Das hat Charles Bukowski gesagt, ein Autor, der wie kein anderer seiner Generation das Bild vom schwermütig-saufenden Genie kultivierte. Allerdings ist die Idee dahinter laut Henning Beck genauso Hirnrissig wie zahlreiche andere Mythen über das menschliche Denkorgan: Tatsächlich bleibt es ein Leben lang anpassungsfähig. Die erste Voraussetzung für erfolgreiches lebenslanges Lernen besteht darin, sich immer wieder neuen Menschen, Situationen und Herausforderungen auszusetzen. Und die zweite: Es aktiv zu tun.

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