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Er will, sie will nicht, sie wollen beide – und zwar anders!

„Her mit dem Frauenwahlrecht“ schrie es von deutschen Plakaten zum ersten internationalen Frauentag am 8. März 1914. „Frauen sollten nicht wählen dürfen“, konterte 100 Jahre später die Amerikanerin Ann Coulter, rechtskonservative Karrierefrau, Berufsprovokateurin und Trump-Fan der ersten Stunde. Schließlich seien die meisten Frauen (sie selbst natürlich ausgenommen) ohnehin Sozialschmarotzerinnen. In Hollywood erregte vor der diesjährigen Oscarverleihung eine goldene Statue des Produzenten Harvey Weinstein Aufsehen, die sich im halbseidenen Bademantel auf einer Couch räkelt. Der Titel des Straßenkunstwerks: Besetzungscouch. Und an den 100 umsatzstärksten Hollywoodfilmen 2017 waren Frauen nur zu 8 Prozent als Regisseurinnen, zu 10 Prozent als Drehbuchautorinnen und zu 2 Prozent als Kamerafrauen beteiligt.

Was das alles miteinander zu tun hat? Man könnte argumentieren, dass im Zuge der #MeToo-Debatte zu viel Verschiedenes in einen Topf geworfen wird – die rechtliche Gleichstellung von Frauen, mangelnde Chancengleichheit im Job und sexuelle Belästigung. Oder man könnte dies alles als Indizien ansehen und die Wurzel des Übels in den noch immer asymmetrischen Machtverhältnissen verorten.

Hochqualifiziert ins Abseits

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In Deutschland sind 98,1 Prozent der CEOs börsennotierter Unternehmen männlich, und der nicht nach Berufsklassen bereinigte Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt 21 Prozent. „Frauen sind – trotz hervorragender Qualifikation und hoher Leistungsbereitschaft – im Management immer noch kaum vertreten“, sagt Erika Regnet, Autorin von Frauen ins Management. „Die unbewusste und häufig auch ungewollte Benachteiligung von Frauen in der Personalauswahl und -bewertung wurde in zahlreichen Studien belegt. Man spricht vom unconscious bias, der dazu führt, dass Leistungen von Frauen übersehen bzw. kritischer bewertet werden als die der männlichen Kollegen.“ Die Autorin schlägt unter anderem vor, Bewerbungen so zu anonymisieren, dass Geschlecht, Alter und Geburtsort nicht offengelegt werden: „Das Stereotyp ,Think Manager – Think Male‘ kann durchbrochen werden, doch dazu sind vielfältige Maßnahmen nötig.“

Hybrid statt Bolide!

Manche Führungskräfte wenden ein, sie würden ja gerne fähige Kolleginnen fördern – fänden aber keine, die überhaupt nach oben wollten. Dem widersprechen Umfragen, die nahelegen, dass Frauen die eigene Karriere fast genauso wichtig ist wie Männern. Die Frage ist nur, welche Karriere – und zu welchem Preis? Die rücksichtslose Fahrt im Karriereboliden, mit starrem Blick auf Beförderungen und Boni, lehnen viele Frauen ab. Und nicht nur sie. Auch Männer wünschen sich zunehmend alternative Arbeitszeit- und Karrieremodelle, die Teilzeitarbeit nicht automatisch zur Karrierefalle werden lassen und die ihrem Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie Rechnung tragen. Gefragt ist ein Hybridmodell, das unterschiedliche Kraftquellen miteinander vereint, eingebettet in ein Wirtschaftsmodell, das nicht nur in den Chefetagen, sondern auf breiter Ebene für gerechte Arbeitsbedingungen, gleiche Bezahlung und eine Aufwertung der (noch) typisch weiblichen Berufe sorgt.

Time’s up

Fest steht: Berufsprovokateure, Besetzungscouches und Boliden sind Auslaufmodelle. Organisationen, die in Zeiten steigenden Fachkräftemangels kluge Köpfe an sich binden möchten, können nicht einfach Alphamännchen durch Alphaweibchen ersetzen. Es geht um einen echten Kultur- und Systemwandel – auch daran erinnert uns der Weltfrauentag heute. „Das Potenzial von Männern und Frauen zu nutzen, kann die Qualität in Entscheidungspositionen nur verbessern“, bekräftigt Erika Regnet. „Doch das muss ,man‘ auch wollen und in den Unternehmen zielorientiert angehen – denn von alleine ändert sich zu wenig.“

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