getAbstract Neugierig bleiben Produktiv sein

Was würden Roboter tun, wenn Menschen die Macht übernähmen?

Diese scherzhaft-provokative Frage wurde auf dem Global Peter Drucker Forum 2017 gestellt, der großen internationalen Managementkonferenz, die unter dem Titel Growth & Inclusive Prosperity in Wien stattfand. Sie bringt das Dilemma der Interaktion zwischen Mensch und Technik präzise auf den Punkt: Wo bleibt der Mensch in einer Zeit, in der viele glauben, Computeralgorithmen und künstlicher Intelligenz hilflos ausgeliefert zu sein? Wer gestaltet unsere Zukunft? Und vor allem wie?

Maschinenstürmer als Vorbilder

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Während der Diskussion zum Thema The Role of Technology – Threat or Catalyst for Human Prosperity? warf Harvard-University-Press-Redakteurin Julia Kirby die These in den Raum, dass die Ludditen weitaus besser seien als ihr Ruf: Immerhin hätten sie während der industriellen Revolution dafür gesorgt, dass sich mit dem technischen Wandel auch die Gesellschaft veränderte. Fest steht: Die alte Formel, dass neue Technologien mehr neue Jobs schaffen, als sie alte vernichten, gilt so nicht mehr. Deshalb müssen wir Wege finden, um unser Einkommen von der Arbeit abzukoppeln.

Wachstum und Wohlstand sind keine Selbstläufer

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Die Vorstellung, dass es unseren Kindern und Enkeln einst bessergehen wird als uns selbst, entlockt vielen nur noch ein müdes Lächeln. Spätestens seit der globalen Finanzkrise 2007/08 investieren Unternehmen vorwiegend in die Steigerung ihres Börsenwerts statt in Innovationen und Jobs, schreibt Simon Caulkin in Inclusive Growth and Prosperity – For Whom?. Dieser Weg ist nicht nachhaltig. Denn ohne echtes Job- und Lohnwachstum wird die Kaufkraft der Menschen weiter abnehmen; soziale Ungleichheit und Unsicherheit steigen und mit diesen auch die Sympathie für populistische und nationalistische Bewegungen.

Unbekannte Weltmarktführer aus Deutschland

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Dass inklusives Wachstum gelingen kann, beweisen die sogenannten Hidden Champions in Deutschland: größere Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, die erfolgreich Nischen besetzt haben. Rund die Hälfte dieser Unternehmen weltweit kommen aus Deutschland, und sie sind für ein Viertel aller deutschen Exporte verantwortlich. Wie Hermann Simon in Why Germany Still Has So Many Middle-Class Manufacturing Jobs ausführt, ist das System der Lehrlingsausbildung ein Grundpfeiler dieser Erfolgsgeschichte. Auch dank der qualifizierten Beschäftigten konnten im Schwarzwald aus der traditionellen Uhrenindustrie 450 auf Medizintechnik spezialisierte Unternehmen hervorgehen.

Erfolgsfaktor inklusives Management

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Alle Hidden Champion haben eines gemein: Sie blicken weit über den eigenen Tellerrand hinaus. Im Durchschnitt unterhalten sie 30 ausländische Tochtergesellschaften, und das funktioniert nur mit einer vielfältig aufgestellten Belegschaft. Wie Unternehmen aus dem großen Talentpool die bunteste Mischung herausfischen und auch versteckte Talente aufdecken, beschreibt Sydney Finkelstein sehr aufschlussreich in 4 Ways Managers Can Be More Inclusive. Kaum überraschend: Hinter einem glänzenden Lebenslauf versteckt sich der eine oder andere Blender.

„Nicht falsche Antworten sind das Problem …

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… sondern die falschen Fragen.“ Diese Erkenntnis des 2005 verstorbenen Managementtheoretikers Peter Drucker wirft natürlich die (richtige) Frage auf: Wie kann ich besser fragen? In der Podiumsdiskussion Applying New Lenses to Look at the Challenges of Our Time schlugen die Teilnehmer einen radikalen Abschied von Altbewährtem vor. Anstatt sich auf ein unlösbares Problem zu fixieren, lieber ein anderes lösen. Anstatt Mitarbeiter auszufragen, sich von diesen ausfragen lassen. Anstatt andere von der eigenen Meinung zu überzeugen, die Ansichten der anderen ins eigene Weltbild integrieren.

Womit wir wieder bei der (richtigen) Eingangsfrage wären: Was, wenn wir uns wirklich bemühen würden, unserer Gesellschaft mithilfe der Technologie ein menschlicheres Gesicht zu geben? Das nächste Druckerforum am 29. und 30. November 2018 wird sich mit diesem drängenden Thema befassen: Management. The Human Dimension.

Gundula Stoll

Gundula Stoll liest und schreibt seit Anfang 2000 für getAbstract – eine ganze Bücherwand lang.

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