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10 Minuten mit Lydia Schültken

Wer den Flurfunk in Unternehmen aufmerksam verfolgt, könnte bestimmt ganze Bücher mit Kritik und Beschwerden der lieben Kollegen füllen. Allein – wann führen die jemals zu etwas anderem als schlechter Laune, gemeinen Intrigen und chronischen Magengeschwüren? Genau das wollte Lydia Schültken mit ihren #workhacks verändern. Denn über Veränderungen zu reden bringt wenig, findet die Organisationsentwicklerin. Sie schlägt vor, den Wandel aktiv zu gestalten. Und dann am eigenen Leibe zu spüren!

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getAbstract: Von Lifehacks habe ich im vergangenen Jahr zum ersten Mal durch meine Töchter (9 und 12) erfahren: Sie belehrten mich auf einmal, wie ich am besten eine Mülltüte verschließe oder eine Mango aufschneide. Was haben Ihre #workhacks mit diesen Alltagskniffen gemein?

Oh, eine ganze Menge. Auch bei uns geht es nicht darum, das große Rad neu zu erfinden, sondern mit kleinen, aber sehr effektvollen Änderungen die Zusammenarbeit zu verbessern. Die Analogie ist also durchaus treffend, nur mit dem Unterschied, dass wir eben auch Dynamiken verändern – was die Mango-Aufschneidetechnik eher nicht vermag.

getAbstract: Was genau meinen Sie mit Dynamiken?

Nehmen wir den „beschwerdefreien Montag“, ein sehr einfacher #workhack. Da wird sich einfach einen Tag in der Woche nicht beschwert. Das klingt ein bisschen lustig – soll es auch sein und ist gleichzeitig ein sehr mächtiges Reflexionswerkzeug. Mit dieser einfachen Idee verändern wir eben auch Dynamiken, weil wir dann erst merken, wie oft wir uns eigentlich beschweren. Ich selbst mache das jeden Samstag. Anfangs war ich über die Häufigkeit meiner Klagen ehrlich erschrocken. Langsam werde ich besser, aber es dauert länger, als ich dachte.

getAbstract: Können Sie erklären, wie beispielsweise der Workhack „Fokuszeit“ in der Praxis funktioniert?

Sehr gern, das ist einer unserer „Bestseller“: Eine Stunde am Tag wird nicht gesprochen, nicht telefoniert und möglichst nicht auf E-mails reagiert. Auch Meetings sind tabu. Diese Stunde gilt für das gesamte Team, sonst ist es nicht so wirksam. Die Fokuszeit ermöglicht dem Team oder der ganzen Abteilung, sich mal so richtig zu konzentrieren und was wegzuschaffen. Diese ständigen kleinen Unterbrechungen sind Gift für die Konzentration. Wir haben sensationelle Erfahrungen damit gemacht: Viele Leute schaffen mit diesem kleinen Eingriff wirklich deutlich mehr und sind somit zufriedener.

getAbstract: Die Idee, dass Verhaltensveränderungen „vom Kleinen ins Große“ wirken sollten, ist nachvollziehbar. Weshalb fällt die Umsetzung dieses Prinzips vielen Führungskräften dennoch so schwer?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in vielen Unternehmen kleine und pragmatische Instrumente nicht bekannt sind. Natürlich sind viele Konzepte, Theorien und Ansätze bekannt, aber häufig wird zu groß und umfassend gedacht. Eine weitere Hürde ist die Vorstellung einiger Führungskräfte, dass sie am besten wissen, was für das Team gut ist. Wir hingegen lassen immer das Team entscheiden, ob sie mit #workhacks überhaupt arbeiten wollen und wenn ja, welchen #workhack sie einsetzen möchten. Freiwilligkeit und Mitbestimmung bilden die beste Grundlage für nachhaltig wirkende Veränderungen.

getAbstract: Auf den ersten Blick führen Workhacks zu noch mehr Reflexion und Diskussion im Team. Viele Menschen möchten aber genau das vermeiden und „einfach ihre Arbeit“ machen. Was entgegnen Sie solchen Zweiflern?

Es kommt darauf an, was man will. Wenn es ausreicht, dass Mitarbeiter tun, was man ihnen sagt, dann braucht es nicht „noch mehr Reflexion“. Uns begegnen hingegen immer mehr Unternehmen, die darauf angewiesen sind, dass die Menschen mitdenken und auch Entscheidungen treffen. Dafür ist Reflexion von großer Bedeutung. Wir verweisen gern auf die große Studie, die Google bei sich im Unternehmen gemacht hat – dabei haben sie herausgefunden, dass sehr erfolgreiche Teams und Abteilungen sich von weniger erfolgreichen vor allem dadurch unterscheiden, dass in dem Team „psychologische Sicherheit“ herrscht. Dafür ist Reflexion unersetzlich.

getAbstract: Eine aktuelle Umfrage ergab, dass knapp zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland mit ihrer Arbeit unzufrieden sind. Anders gesagt: Das sind 63,1 Prozent vergeudetes Potenzial. Wie lassen sich mit Workhacks zugleich Arbeitsglück und Bruttosozialprodukt steigern?

Das ist genau unser Ziel. Deshalb haben wir uns auch mit Motivationsforschung auseinandergesetzt. Laut Daniel Pink sind es drei Faktoren, die Menschen motivieren: Autonomy, Mastery und Purpose. Wir setzen darauf auf und wollen Mitarbeiter befähigen, selbstwirksamer zu agieren und zu wachsen. Wir gehen davon aus, dass Menschen wachsen und besser werden möchten in dem, was sie tun. #workhacks befähigen Teams Stück für Stück, mehr Verantwortung zu übernehmen und unabhängiger von hierarchischen Prozessen zu werden, ohne gleich gänzlich auf Hierarchie zu verzichten. Das fördert nicht nur die Motivation, sondern auch die Qualität der Arbeitsergebnisse.

getAbstract: Was raten Sie Lesern, die nach der Lektüre Ihres Buchs die Initiative ergreifen und ein paar Workhacks in ihrem Team einführen möchten?

Der wichtigste Ratschlag ist, Angebote zu machen und gemeinsam mit dem Team die Entscheidung zu treffen, ob ein #workhack eingeführt werden soll. Damit steht und fällt die Akzeptanz. Ein weiterer Tipp ist der Experimentiermodus – also einen #workhack für eine Probezeit einzuführen und nach zwei bis drei Monaten zu entscheiden, ob er wirklich hilfreich ist. Manche Unternehmen oder Abteilungen führen häufig zu viele neue Methoden ein, ohne sie dann zu überprüfen. Der dritte Tipp ist der Einsatz von Patenschaften: Wir übergeben einen #workhack immer zwei bis drei Paten in einem Team, damit die Einführung nicht nur vom Vorgesetzten abhängt.

getAbstract: Und gibt es einen Workhack, der Ihr eigenes Arbeitsleben von Grund auf verändert hat?

Mein persönlicher Liebling ist das „Timeboxing“. Ich frage mich selbst, wie viel Zeit ich mit einer bestimmten Aufgabe verbringen will, stelle die Uhr und habe im Blick, wie die Zeit abläuft. Das führt zu mehr Fokus, so dass ich deutlich mehr schaffe. Auch in Workshops und Meetings arbeite ich gerne mit Timeboxing, denn damit lassen sich ausufernde Diskussionen wunderbar vermeiden.

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Über Lydia Schültken

Lydia Schültken hat die Workhack-Methode entwickelt. Sie berät gemeinsam mit ihrem Team einzelne Teams oder ganze Organisationen darin, wie diese mit kleinen, minimalinvasiven Eingriffen große Veränderungen herbeiführen können.

 

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