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Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär …

…dann wär ich heute Bitcoin-Millionär. Mindestens. Wie diese Studenten in den Krypto-WGs, über die zuletzt so viel berichtet wurde. Im zarten Alter von 22 schmeißen sie eine Party nach der anderen und haben ausgesorgt fürs Leben. Angeblich. Wenn, ja wenn man vor rund fünf Jahren für 10 Dollar einen Bitcoin gekauft hätte, dann wäre der jetzt gut 10.000 Dollar wert. Vor zwei Monaten wären es 20.000 gewesen, vor einem Jahr gerade mal 1000. Nur was steckt überhaupt hinter diesem Hype?

Geschaffen aus dem Nichts

Bitcoin sei ein „Betrug“, der böse enden werde, wetterte Jamie Dimon, Chef der US-Großbank J.P. Morgan im vergangenen Herbst. Denn: „It’s creating something out of nothing that to me is worth nothing.“ Er muss es ja wissen. Zwar ist das von Geschäftsbanken durch Kreditschöpfung geschaffene Fiat-Geld letztlich auch nur so viel wert, wie das Vertrauen, das wir darin haben. Aber wenn, wie zuletzt 2008, das Kartenhaus in sich zusammenfallen sollte, dann gibt es eben noch Staaten und Steuerzahler, die es in alter Pracht wieder aufbauen. Diese Wirkmacht müssten sich die Krypto-Gläubiger erst noch erarbeiten.

Das nächste große Ding?

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Und wenn Kryptowährungen doch viel mehr wären als Objekte feuchter Spekulantenträume? In Bitcoins und andere dezentrale Transaktionssysteme beschreibt Elfriede Sixt unaufgeregt, wie Blockchain-Technologien als verschlüsselte Datenbanken funktionieren und weshalb die Technologie gerade für Millionen arme Menschen ohne Bankkonto vielversprechend sein könnte. Die Autoren von Cryptocurrency sagen Jamie Dimon & Co. düstere Zeiten voraus, da die neuen Währungen Banken eigentlich überflüssig machten. Und als „the next big thing“ preisen Don und Alex Tapscott Die Blockchain-Revolution – so disruptiv, dass sie sogar aktuell erfolgreiche Zerstörer wie Uber oder Airbnb vom Platz fegen könnte.

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Keine Option für Internet-Erpresser

Und was, wenn Bitcoin, Ripple und Ethereum in der Illegalität erst richtig aufblühten? Das behauptet zumindest ein Mann mit dem blumigen Pseudonym „Edelweiss“: Otto Hostettler hat diesen unter anderem für sein Buch Darknet interviewt und herausfunden, dass Dealer im dunklen Netz gegen Kryptowährung so gut wie alles anbieten, was verboten ist – von
gefälschten Pässen über Drogen bis hin zu Auftragsmorden. Dumm nur, dass die enormen Kursschwankungen Ende 2017 selbst den skrupellosesten Internet-Erpressern den Bitcoin madig gemacht haben. Als Zahlungsmittel lehnen sie ihn nun überwiegend ab. Welcher (un)anständige Geschäftsmann kann schon damit leben, dass sein Erlös innerhalb von Stunden um 30 Prozent steigt oder fällt?

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So viel Energie wie 1 Million Transatlantikflüge

Und wenn sich die Kryptowährungen allen Unkenrufen zum Trotz durchsetzen sollten? Dann müssen wir uns ernsthaft über die viele heiße Luft Gedanken machen, die ihr Schürfen ausstößt: Im Januar verbrauchte das Bitcoin-Netzwerk bereits so viel Energie wie Neuseeland oder Ungarn. Das sind etwa 42 Terrawattstunden pro Jahr, was 20 Megatonnen CO2-Emissionen entspricht. Soviel, wie eine Million Transatlantikflüge verursachen. Der Energiehunger ist dem Bitcoin in den Code geschrieben: Je höher der Preis, desto mehr Power kostet das Schürfen eines Bitcoins. Bei einem Kurs von $ 1,1 Millionen würde es sich finanziell rechnen, die gesamte Elektrizität, die heute weltweit produziert wird, zum Schürfen einzusetzen.

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2130 ist Schicht im Schacht

Natürlich werde es so weit nicht kommen, beschwichtigen die Bitcoin-Fans. Doch selbst wenn sie Recht behalten sollten – dann müssten wir uns in einer hypothetischen Zukunft, da Bitcoins unser heutiges Fiat-Geld ersetzen, an eine Spirale aus deflationär sinkenden Preisen und Löhnen gewöhnen. Denn die Zahl der Bitcoins ist nach oben hin begrenzt. Bei 21 Millionen, voraussichtlich im Jahr 2130, ist Schluss. Bitcoins sind quasi der Goldstandard des digitalen Zeitalters – nur auf Steroiden.

Wenn aber diese Blase nicht nur viel Luft ablassen, sondern mit einem großen Knall platzen sollte? Dann könnte das der Vorbote des nächsten, viel größeren Crashs sein, orakeln einige Wirtschaftsexperten. Die Gesetze der Schwerkraft wirken leider noch immer: What goes up, must come down. Wenn, ja wenn nur das Wörtchen wenn“ nicht wär …

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