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Es ist ein Skandal. Zwischen 1995 und 2015 lag der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen in Deutschland bei durchschnittlich 22 Prozent (Quelle: Statista). Ein Unterschied, den man nicht wegdiskutieren kann.

Lassen Sie uns ein Gedankenexperiment machen, das die ganze Tragweite dieser Zahl deutlich macht: Umgerechnet aufs Jahr müssten Frauen etwa elf Wochen länger arbeiten, um denselben Lohn wie Männer in ähnlicher Position zu erhalten. Ironischerweise landen sie dann ungefähr in der Woche, in der wir den Internationalen Frauentag feiern. Mit anderen Worten: Die Männer könnten seit Silvester 2016 in einem schicken Hotel irgendwo auf der Welt eine Endlosparty feiern und hätten doch den gleichen Verdienst in der Tasche wie alle  Frauen, die bis heute schön brav zur Arbeit gegangen sind.

Hatten sich die Frauen ihre Position an der Spitze in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik nicht längst erkämpft? Weibliche Präsidentinnen, eine Frau im Verteidigungsministerium, ja als Bundeskanzlerin und ein 17-jähriges pakistanisches Mädchen als mutige Friedensnobelpreisträgerin: Das alles ist längst gesellschaftliche Realität. Oder im Kulturbereich: Die Zeiten sind längst vorbei, als Literatur und Film nur Rollenmodelle für Jungs zu bieten hatten. Welches junge Mädchen möchte nicht so unbeugsam gegen Ungerechtigkeiten zu Felde ziehen wie Roald Dahls Matilda? Oder ein so unkonventionelles Leben führen wie Pippi Langstrumpf? Was man vor 30 Jahren nicht gedacht hätte, ist inzwischen Wirklichkeit geworden: Wir hatten eine Frau auf der Brücke des Raumschiffs Enterprise, einen weiblichen Terminator und eine Star-Wars-Heldin. Tougher als alle Kerle ist Katniss Everdeen aus der erfolgreichen Tribute-von-Panem-Reihe. Und klüger als Harry Potter war immer schon sein selbstbewusster Sidekick Hermine. Erst recht ihr Pendant in der wirklichen Welt: Die Schauspielerin Emma Watson gehört zu den unerschrockensten jungen Feministinnen der Gegenwart – ohne dabei irgendwie verschroben oder seltsam zu wirken.

Wenn man sie lässt, sind Frauen in Führungspositionen oft zäher, smarter, erfolgreicher als Männer. Ihnen gelingt es meist viel besser, die verschiedenen Ansprüche im Unternehmen unter einen Hut zu bringen. Sie haben ein intuitives Gefühl für Harmonie und Balance. Und die ist in modernen Unternehmen oftmals wichtiger als alles andere.

Stichwort: demografischer Wandel. Wir werden es uns bald gar nicht mehr leisten können, auf weibliche Führungsstärke zu verzichten. Aber wenn es um das Thema Gleichberechtigung im Wirtschaftsleben geht, tun sich immer noch die Abgründe der »Gender Pay Gap« auf. Liegt es wirklich daran, dass sich das »dämliche Geschlecht«, wie es die deutsche Wirtschaftsjournalistin Barbara Bierach einmal provokant formulierte, gar nichts aus der Karriere macht? Dass es nach Prädikatsexamen und Blitzkarriere mit Mitte 30 in einer Villa am Stadtrand untertaucht? Wohl kaum.

Die deutsche Feministin Alice Schwarzer forderte vor Jahren die Abschaffung des Frauentages. Er sei ihr zu »gönnerhaft«. Und natürlich hat sie recht: Man sollte keine besonderen Tage brauchen, um an Frauen, Mütter, Väter, Bäume, die Erde zu denken. Es sollte einfach eine Selbstverständlichkeit sein. Die fundamentalen Forderungen, die seit dem ersten Frauentag im Jahr 1911 gestellt wurden, haben sich größtenteils erfüllt: Das Frauenwahlrecht ist fast überall auf der Welt etabliert, Mutterschutz und Arbeitsschutzgesetze wurden eingeführt und verbessert. Jetzt müssen wir an die letzten Gräben, die Männer und Frauen in der Arbeitswelt trennen.

Unsere Leseempfehlungen für Sie:

 Erfolgsfaktor Gender Diversity 
Martine Herpers
Haufe, 2013
 Herausforderung Karriere
Cornelia Edding
Carl-Auer, 2016
 Lean In
Sheryl Sandberg
Econ, 2013
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