Archiv 2012

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getAbstract wünscht allen Kunden, Mitarbeitern und Partnern schöne Weihnachtsfeiertage und alles Gute für 2013!

 

 

 

Heute erschien die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland. Das Blatt hat seit seinem Erscheinen immer rote Zahlen geschrieben, darum langen die Kollegen heute noch einmal in die Vollen und titeln “Endlich schwarz” auf einer komplett schwarzen Seite. Aus dem Schriftzug Financial Times wurden NA und CI getilgt, so dass nun heute die Final Times erschienen ist. Ich persönlich bin traurig darüber, dass es diese Wirtschaftszeitung in Zukunft nicht mehr geben wird. Anders als so manche “BRAVO für Manager” berichtete die FTD oftmals bodenständig, kritisch – und vermutlich meist etwas zu linkslastig für das anvisierte Zielpublikum. Wer alles daran setzen will, nicht an den Kundenwünschen vorbeizuproduzieren, findet z. B. hier Anregungen: Top oder Flop in der Produktentwicklung

Ein Raunen ging durch Facebook letzte Woche: Das Netzwerk habe klammheimlich seine Geschäftsbedingungen geändert. Das veranlasste eine Vielzahl von Facebook-Nutzern, ein in einwandfreiem Juristenjargon verfasstes Statement zu teilen (also auf ihrer Facebook-Seite zu posten), welches Facebook strikt untersagt, persönliche Daten kommerziell zu nutzen. Auch das Copyright an geposteten Bildern behalten sich die empörten Nutzer vor.

Wenn Sie selbst auf Facebook sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch unter ihren Freunden welche sind, die sich dieses Statement mit wichtiger Miene auf die Brust bzw. die Seite geheftet haben. Hoffentlich haben Sie der Versuchung widerstehen können und es nicht geteilt. Denn, dumm: Der Vorwurf entbehrt jeglicher Grundlage. Facebook hat keine AGB geändert. Und selbst wenn: Natürlich könnte ein Nutzer diese AGB nicht einfach außer Kraft setzen, nur weil sie ihm nicht passen. Entweder, er unterschreibt sie, oder nicht.

getAbstract, übrigens, hat sie unterschrieben: facebook.com/getabstract

Warum werden eigentlich kaum noch neue Werbefiguren erfunden? Die Milka-Kuh, das Duracell-Häschen, Knorrli, das Michelin-Männchen, der hässliche kleine Junge auf der Kinder-Schokolade – sie alle sind zwischen 40 und 100 Jahre alt. Spätestens seit das neue Jahrtausend angebrochen ist, ist die Ära solcher Ikonen vorbei. Zwar versuchen eifrige Grafiker noch, den Frosties-Tiger oder Ronald McDonald mit Photoshop oder Ähnlichem für die Neuzeit zu pimpen, doch jeder merkt: Auch ihr Stern ist am Sinken.

Womit hat das zu tun? Fast scheint es, als wäre die Menschheit gereift; als wäre sie zu klug geworden, um den Worten eines Meister Propper oder Marlboro-Man noch zu glauben. Aber seien wir ehrlich: Menschheit und Reifen? Da muss es eine andere Erklärung geben.

Vielleicht fehlt es schlicht an guten Ideen. Meine Vorschläge: Stevie, der fröhliche Apple-Wurm. Oder Buck, die freche Starbucks-Kaffeebohne. Oder wie wär’s mit einem Google-Gockel: Immer, wenn man eine Sucheingabe machen will, wird man zuerst eine Minute von ihm angekräht. Zugegeben, das sind vielleicht nicht die lukrativsten Ansätze.

Es werden tonnenweise Bücher über Werbung produziert: Wie findet man den richtigen Slogan, das richtige Design, die richtige Zielgruppe? Zur Abwechslung wäre mal ein Ratgeber über Werbefiguren angebracht. Einer, der erklärt, wie man einen Sympathieträger kreiert, der in die Neuzeit passt und eine Marke bekannt macht.

Hier ein Hinweis für alle, die einen hochkarätigen Autor nicht nur in gedruckter Form, sondern leibhaftig erleben wollen: Robert J. Shiller, Yale-Professor und Verfasser von Werken wie Irrationaler Überschwang, Die neue Finanzordnung und Animal Spirits, ist zurzeit auf Lesereise im deutschsprachigen Raum, um sein neues Buch Märkte für Menschen (demnächst auch als Zusammenfassung bei getAbstract) vorzustellen. Die Daten im Einzelnen:

Mittwoch, 14.11.2012, 18 Uhr, Berlin, Allianz Forum, Pariser Platz 6
Donnerstag, 15.11.2012, 18:15 Uhr, Zürich, Universität Zürich, Rämistrasse 71
Freitag, 16.11.2012, 18 Uhr, Wien, Österreichische Nationalbank, Otto‐Wagner‐Platz 3

Ich bin ja schon ganz schön alt. Als ich noch nicht ganz so alt war, drang zunächst das Internet in meinen geruhsamen studentischen Alltag ein und mit ihm dann irgendwann auch ein kleiner, sympathischer Online-Buchhändler, der versprach, das gleiche zu tun, was die etablierten Buchhandelsketten auch können, nämlich mir alle gewünschten Bücher zum Einheitspreis (in Deutschland herrscht nach wie vor die Buchpreisbindung) anzubieten. Ziemlich lange erschloss sich mir der Sinn dieses Geschäfts nicht. Als ich dann zwei Tage vor einer wichtigen Klausur eine geschlagene halbe Stunde in der Schlange beim unfreundlichen Heidelberger Universitätsbuchhändler verbrachte und darüber nachdachte, welche Wissenslücken ich wohl oder übel in Kauf würde nehmen müssen, weil ich hier rumstand statt zu lernen, hatte Amazon eine neue Kundin gewonnen. Heute könnte ich bei Amazon nicht nur das gewünschte Buch bestellen, sondern ich könnte mir z. B. Entspannungsmusik für die Lernpause, ein Kilo Gourmet-Kartoffelsalat für den kleinen Hunger zwischendurch und einen Hometrainer zum Abtrainieren der durch die mayonnaisige Pampe angefutterten Pfunde gleich mitliefern lassen. Da kriege ich ja beinahe Lust, nochmal zu studieren.

Die erstaunliche Geschichte des Internethändlers aus einer etwas weniger persönlich gefärbten Perspektive: Mr. amazon

Klassiker Nr. 666

31.10.2012

Heute vor 495 Jahren, am 31. Oktober 1517, hat ein junger Theologe namens Martin Luther ein kleines Pamphlet ans Portal der Schlosskirche Wittenberg genagelt. Er wetterte gegen die Ablasspraxis der katholischen Kirche und stellte Fragen wie: „Warum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die eine Kirche St. Peter lieber von seinem eigenen Geld als dem der armen Gläubigen?“

Wenig Wunder, dass ebendieser Papst, Leo X., ihn als Ketzer aus der Kirche ausschliesst. Luthers Schriften werden überall im Land verbrannt, verbreiten sich aber dennoch in Windeseile. Es folgt ein Jahrhundert, wie es Europa noch nicht erlebt hat: Die Kirche spaltet sich, Reformation und Gegenreformation ringen blutig um die christliche Wahrheit, die Länder schließen sich der einen oder anderen Richtung an, und nach dem 30-jährigen Krieg liegt der Kontinent in Schutt und Asche.

getAbstract, mit Hauptsitz im erzkatholischen Luzern, hat Luthers explosive Thesen kürzlich zusammengefasst – und mit einigem Schrecken festgestellt, dass es sich dabei um die Klassiker-Zusammenfassung Nr. 666 handelt …

Die Frankfurter Buchmesse ist vorbei und der Spiegel zieht das Fazit: „Es wurden massenweise Businessbücher vorgestellt, die besser nicht geschrieben worden wären.“ Immer häufiger würden Selbstständige aus reinen Marketingzwecken Bücher veröffentlichen. Bücher, die nichts als getarnte Werbung sind. Die Spiegel-Journalisten Monika Paitl und Jörg Zoll bedauern diese Verwässerung: „Dabei gibt es im Management-Geschäft Autoren, die zu Recht angesehen sind. Sie schreiben Bücher, weil sie etwas zu sagen haben.“ Doch die Bücher dieser Autoren drohen im Markt zwischen „aufgeblähten Banalitäten“, „Anekdotensammlungen im Plauderton“ und jeder Menge „heisser Luft“ unterzugehen.

Sie ahnen vermutlich schon, worauf dieser Artikel hinausläuft: Ich biete Ihnen gerade als Selbstvermarktung getarnte Berichterstattung. Aber können Sie es mir verübeln? Hat getAbstract nicht schon vor über zehn Jahren erkannt, dass der Markt der Businessbücher mit unnötigen Texten überschwemmt wird und dass es jemanden braucht, der für Ordnung sorgt? Als Kunde von uns können Sie diesen Spiegel-Artikel also ganz entspannt lesen, im Wissen, dass jemand den Business-Müll für Sie aussortiert und Ihnen nur das Wichtigste liefert. Weniger Werbung gibt’s in unseren Zusammenfassungen.

Aller guten Dinge sind drei? Nach dem beeindruckenden Sieg der europäischen Golfer im Ryder-Cup in Illinois im letzten Monat hat das Nobel-Komitee in Oslo nun auch noch die Europäische Union als Empfänger des Friedensnobelpreises 2012 verkündet. Der Ausschuss lobte die EU für sechs Jahrzehnte des Friedens in einer Region, die zuvor unter Jahrhunderten voller Kriege gelitten hat. Jean Monnet, einer der Architekten der europäischen Integration, sagte bereits 1943: „Es wird keinen Frieden in Europa geben, wenn die Staaten auf der Grundlage der nationalen Souveränität wiederhergestellt werden … Die Länder Europas sind zu klein, um ihren Völkern Wohlstand und die notwendige soziale Entwicklung zu gewährleisten. Die europäischen Staaten müssen einen Verband oder eine europäische Einheit bilden, die sie auch zu einer wirtschaftlichen Einheit machen würde.“ Monnets Vision führte zu einem mehr als 60 Jahre anhaltenden Frieden auf dem Kontinent.

Könnte das europäische Glück durch eine Stabilisierung seiner Währung und ein Wiedererstarken seiner schwächeren Mitglieder komplett werden? Unwahrscheinlich, zumindest im Moment. Während die Einführung des Europäischen Stabilitätsmechanismus schwächelnden Nationen etwas Zeit verschaffen wird, sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Europas keineswegs gebannt. Letzte Woche verkündete Griechenland eine Rekordarbeitslosigkeit von 25 % (und 54 % Jugendarbeitslosigkeit), und Standard & Poor’s senkte die Bewertung spanischer Schulden von BBB+ auf BBB-, eine Stufe über Ramschniveau. Europa als Friedensprojekt ist ein Erfolg, aber der Weg zur wirtschaftlichen Stabilität bleibt lang und steinig.

Um mehr über die Breite und Tiefe der Eurokrise zu erfahren, werfen Sie einen Blick auf diese Titel:

Zehn Mythen der Krise

Die Tragödie des Euro

Europa braucht den Euro nicht

Mein neues Lieblingsbuch:

Kreativität gibt es nicht

Endlich bricht mal jemand eine Lanze für die Kreativarbeiter. Also für Menschen, die kreatives Schaffen als Arbeit verstehen statt als Warten auf den Musenkuss. Autor Erharter vertritt die These, dass Kreatitvität einem in den allerseltensten Fällen zufliegt, während man gerade kontemplativ, mit einem Grashalm im Mund in die Sonne blinzelnd, auf einer Blumenwiese liegt, sondern dass sie die Frucht fundierter Ausbildung und harter Arbeit ist. Und wer schonmal versucht hat, Tomaten im eigenen Garten zu ziehen, der weiß ja, wie sich das mit Früchten so verhält: Man kann alles immer brav richtig machen, fleißig gießen, umtopfen, pikieren, mit Liebe den sonnigsten Standort auswählen – und trotzdem wollen die Dinger manchmal einfach nicht so recht wachsen. Und schafft’s dann doch mal eine, dann kommt eine Schnecke daherspaziert und mampft sich durch das einzige bereits hellrot schimmernde Früchtchen hindurch. Auf das zarte Pflänzchen kreative Leistung gemünzt heißt das: Wer hart arbeitet und exzellent ausgebildet ist, muss noch nicht zwangsläufig den großen kreativen Wurf landen. Aber er hat die besseren Chancen als der Grashalmkauer. Irgendwie beruhigend.

Zum gleichen Themenkomplex und mit einer ähnlichen Kernaussage erscheint demnächst eine weitere Zusammenfassung:

 

Das Genie in uns

(Abonnenten können sich übrigens automatisch benachrichtigen lassen, wenn diese oder eine andere angekündigte Zusammenfassung online geht: Einfach unterhalb des Buchtitels, dort, wo später die Rezension erscheinen wird, ein Häkchen im Kästchen “Bitte benachrichtigen Sie mich, sobald diese Zusammenfassung erhältlich ist.”)

 

Eine Hand wäscht die andere, haben wir uns gedacht, und bieten unseren bestehenden und neuen Abonnenten Rabatte an. So funktioniert’s:

  1. Jeder getAbstract-Abonnent erhält einen eindeutigen Empfehlungs-Code, den er seinen Freunden, Bekannten oder Verwandten geben kann.
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Ihren persönlichen Empfehlungs-Code finden Sie ganz unten in den Kontoeinstellungen. Ein Fortschrittsbalken gibt Ihnen Auskunft über die bisher vermittelten Abos und den Rabatt, den Sie auf Ihre nächste Abo-Erneuerung erhalten.

Soeben hat die Europäische Zentralbank bekannt gegeben, unbeschränkt Anleihen von Krisenstaaten aufzukaufen, wenn sie dies als nötig erachtet. Der umstrittene Entscheid ist die Fortführung einer Politik, die seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht nur in Europa gang und gäbe ist: Mit günstigem Geld sollen Märkte geflutet werden, die ansonsten vollends auszutrocknen drohen.

Übertreiben es die Finanzgärtner mit der Geldschwemme? Manche Kritiker befürchten: Ja, das wird alles in einer verheerenden Hyperinflation enden. Diese Ansicht vertritt beispielsweise Henrik Müller in seinem Buch Sprengsatz Inflation.

Oder muss es noch viel mehr Geld regnen, damit die Wirtschaft endlich wieder aufblüht? Müssen die Zentralbanken statt bloß zur Gießkanne besser gleich zum Feuerwehrschlauch greifen? Dieser Ansicht ist kein Geringerer als Nobelpreisträger Paul Krugman, wie er in Vergesst die Krise! darlegt.

Wer hat Recht? Die beiden Bücher werden Ihnen helfen, sich eine Meinung zu bilden. Und wenn Sie sich vorsichtshalber mal für beide Szenarien wappnen wollen: Markus Lindermayr, Janne Jörg Kipp und Christoph Schnabel sagen Ihnen, wie – in ihrem Buch Inflation oder Deflation?

 

Die Bündner Berggemeinde Obermutten hatte vor einem Jahr eine geniale Idee, den Tourismus anzukurbeln: An einem Anschlagbrett im Dorf wurden alle Facebook-Profile von Usern aufgehängt, die den „Gefällt mir“-Button der Gemeinde drückten. Das Konzept machte weltweit Schlagzeilen, Obermutten war bald in aller Munde. Ein Jahr später ist die Bilanz ernüchternd: Denn zwischen einem „Gefällt mir“ und einer Reise in die Bündner Berge liegen immer noch Welten.

Das A und O bei einer Social-Media-Kampagne: Sie muss zu Ende gedacht werden. Damit Ihnen nicht der gleiche Fehler passiert, hier der Link zu unserem regelmäßig aktualisierten Social-Media-Wissenspaket.

Klar, diese Überschrift verwirrt. Darum hier gleich die Erklärung:

  1. Der norwegische Massenmörder Anders Breivik ist heute vom Gericht in Oslo schuldig gesprochen worden. Das bedeutet für ihn: 21 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Die Höchststrafe.
  2. Gemäß dem angesehenen Hirnforscher Gerhard Roth leidet Breivik unter Wahnvorstellungen und ist darum nicht schuldfähig. Also nicht schuldig. So Roth kürzlich in einem Interview in der schweizerischen Weltwoche.

Das norwegische Gericht hat also offenbar nicht im Sinne der Hirnforschung à la Gerhard Roth und auch nicht im Sinne eines über Breivik angefertigten psychologischen Gutachtens entschieden. Was aber ist davon zu halten, wenn Hirnforscher wie Roth Massenmörder (nicht nur Breivik: auch Hitler, Stalin und andere) als unschuldig betrachten, weil, so die Begründung, sie psychopathologische Züge tragen und nicht fähig sind, sich willentlich gegen ihre tiefsitzenden Wünsche und Motive zu entscheiden? Die Leugnung der Willensfreiheit durch manche Hirnforscher beruht auf neurowissenschaftlichen Experimenten, die gezeigt haben, dass Entscheidungen, bevor sie uns bewusst sind, schon im Unbewussten getroffen wurden. Und zwar etwa 550 Millisekunden vorher. Daher sei der freie Wille eine Illusion: Man meine nur nachträglich, sich frei entschieden zu haben. Darum müssten auch die Rechtswissenschaft und insbesondere das Strafrecht, die weiterhin das Postulat des freien Willens kennen, reformiert werden.

Andere Forscher widersprechen allerdings und sehen gerade in dem winzigen Zeitunterschied zwischen unbewusster und bewusster Entscheidung die Möglichkeit begründet, dass es eben doch einen freien Willen gebe: In diesem Zeitraum bestehe die Möglichkeit eines “Vetos”: Wir könnten die unbewusst bereits eingeleitete Handlung noch verhindern.

Nicht nur die Hirnforscher sind sich uneinig: Auch die Philosophen, die sich schon erheblich länger, nämlich seit mehr als 2000 Jahren, mit dem Thema beschäftigen, haben im Lauf der Zeit ganz unterschiedliche Standpunkte eingenommen, grob gesprochen: Deterministen vs. Indeterministen, Gegner vs. Befürworter der Willensfreiheit bzw. der moralischen Verantwortlichkeit des Menschen. Die unterschiedlichen Positionen sollen hier nicht dargestellt werden, aber eines scheint mir doch ziemlich klar: Die Willensfreiheit ist ein philosophisches Problem, auch ein juristisches, jedensfalls eines, für das die Geisteswissenschaften seit jeher zuständig sind. Naturwissenschaftler, und zu denen zählen natürlich die Hirnforscher, sind kompetent, wissenschaftlich begründete Aussagen über Naturgegenstände zu machen, und dazu zählt selbstverständlich auch das menschliche Gehirn. Nicht aber das menschliche Handeln und Entscheiden. Dieses findet im Raum der Kultur und der Intersubjektivität statt, und wer es auf Hirnströme reduzieren will, hat sich schlicht und einfach in einem ihm fachfremden Gebiet verirrt.

Wer sich zum Thema schlau machen will, findet in der getAbstract-Bibliothek zahlreiche Texte. In der Business-Bibliothek etwa das Gerhard-Roth-Buch Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten oder das Buch Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahneman.

Und in der Klassiker-Bibliothek Zusammenfassungen von Werken wie Die Welt als Wille und Vorstellung, Jenseits von Gut und Böse oder Kritik der praktischen Vernunft.

Vor 50 Jahren, am 09. August 1962, starb Kultautor Hermann Hesse in seiner Schweizer Wahlheimat Montagnola. Hesse gilt mit seinem Gesamtwerk als der meistgelesene deutschsprachige Dichter des 20. Jahrhunderts. Seine Bücher werden im Ausland sogar mehr gelesen als hierzulande. In Asien, vor allem in Japan und Korea, ist er nicht nur beliebt, sondern wird geradezu als Heiliger verehrt. Der Autor selbst erkannte das zeitlose Themenspektrum seiner Werke: „Ich habe noch nie daran gezweifelt, dass ein gewisser Teil dieses Werkes unentbehrlich ist und diese Zeit überdauern, d. h. später wieder sein Dasein in der Welt finden und rechtfertigen werde.“ Mangelndes Selbstbewusstsein schien also nicht eines seiner größeren Probleme gewesen zu sein. Während man Hauptwerken wie dem Glassperlenspiel vielleicht nicht ganz zu Unrecht heute durchaus eine gewisse Angestaubtheit vorwerfen könnte, hat meiner persönlichen Meinung nach eines von Hesses Frühwerken weitaus weniger an Brisanz und Aktualität eingebüßt. Ich denke, dass jeder, der seinen Siebenjährigen zwischen Fußballplatz, Frühenglisch, Pfadi und Schwimmunterricht hin- und herhetzen lässt, in Unterm Rad lesenswertere Einsichten findet als in so manchem Erziehungsratgeber.